Nordkorea fegt taiwan weg und ist nach 16 jahren wieder bei der wm dabei
4:0 gegen Taiwan, fertig, WM-Ticket gelöst. Nach 16 Jahren Abstinenz kehrt Nordkorea in den globalen Frauenfußball zurück – und das mit demselben rücksichtslosen Spiel, das die Damen von der Kim-Il-sung-Universität einst berühmt machte.
Das Ergebnis liest sich wie ein Kommunique der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA: klar, eindringlich, ohne Gegenwehr. Doch hinter dem Schlusspfiff in Perth steckt mehr als ein statistisches Pünktchen. Es ist die Rückkehr eines Paralleluniversums, das sich jahrelang selbst isoliert hatte – wegen Corona, wegen Dopingsperren, wegen Politik.
Die tore fallen zwischen isolation und comeback
Der erste Treffer schlug nach 12 Minuten ein, der letzte in der 88. – ein Schlusspunkt unter eine Phase, in der die nordkoreanische Auswahl turnusgemäß zu den besten acht Teams der Welt zählte. 2011 schied sie in Deutschland im Viertelfinale gegen Schweden aus, dann folgte Leere. 2015 durfte sie wegen eines Dopingskandals nicht antreten, 2019 schaffte sie es sportlich nicht, 2023 sagte sie wegen der strikten Pandemie-Abschottung ab.
Die Spielerinnen, alle zwischen 18 und 24 Jahren, haben nicht einmal die letzte WM im eigenen Land sehen können – Fernsehen empfängt man dort nur mit staatlicher Lizenz. Jetzt wird Brasilien 2024 zur Zielscheibe. „Wir sind bereit, die Welt zu überraschen“, sagte Trainerin Ri Yu-jong nach dem Schlusspfiff – und meinte damit wohl nicht nur den Gegner, sondern auch die eigene Bevölkerung, die erst nach Mitternacht von der Qualifikation erfuhr.

Asien schickt nun sieben teams – ein historischer rekord
Mit Nordkorea komplettieren sich sieben asiatische Nationen das Teilnehmerfeld. Neben den üblichen Verdächtigen Australien, Japan, China und Südkorea hat sich auch die philippische Auswahl durch ein 2:0 gegen Usbekistan erstmals qualifiziert. Für den asiatischen Verband AFC ist das ein PR-Coup: noch nie schickte er so viele Teams zu einer WM. Die Logik dahinter ist einfach – mehr Startplätze bedeuten mehr TV-Gelder, mehr „visibility“, mehr politisches Gewicht.
Doch die Frage bleibt: wie wird Nordkorea in Brasilien auftreten? Als geschlossene Reisegruppe, wie 2011, als jede Spielerin ein Funk-Armband trug und die Mannschaft nach jedem Spiel im Bus verschwand? Oder öffnet sich das Land, das seit Monaten wieder Grenzbeamte zu internationalen Freundschaftsspielen schickt, einen Millimeter weiter?
Fakt ist: die Taktik funktioniert. Die Mannschaft spielt ein 4-4-2, das sich in Sekundenschnelle zu einem 4-2-4 umbauen lässt – mit schnellen Außen und einer Doppelsechs, die den Ball nicht nur verteidigt, sondern zerteilt. Gegen Taiwan hatte Nordkorea 68 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse, vier Tore. Die Gegnerinnen kamen einmal gefährlich vor das Tor – und scheiterten an Paek Yong-hui, der 19-jährigen Torhüterin, die in der Halbzeitpause noch ein Loblied auf die „weisen Führung der Arbeiterpartei“ sang.
Die WM-Gruppen werden am 12. Dezember in Rio ausgelost. Sollte Nordkorea in dieselbe Gruppe wie die USA oder Deutschland rutschen, winkt ein Schlagabtausch, der weit über Sport hinausgeht. Denn eines ist sicher: die Frauen von der Kim-Il-sung-Universität spielen nicht nur für Punkte, sondern für ein System, das sich selbst als unverrückbar definiert. Sieben Wochen Training in Brasilien, dann ist Schluss mit Romantik. Die Isolation endet an der Mittellinie.
