Noah beyer will den hsv vor dem wechsel bluten lassen

Noah Beyer steht vor dem perfekten Verrat. In 48 Stunden trifft er mit dem Bergischen HC auf seinen künftigen Arbeitgeber – und genau dort will er dem HSV Hamburg zeigen, was ihn ab Sommer erwartet: einen Killer mit Siebenmeter-Nerven und dem Blick fürs große Geld.

Beyer lacht, aber er meint es todernst

136 Tore, 77 Prozent Trefferquote, eine Handschrift, die sich nicht versteckt. Die Zahlen reden lauter als jedes Transferpapier. Johannes Bitter nennt ihn den „absoluten Wunschspieler“, doch der 28-Jährige will vor der Unterschrift nochmal nachlegen. „Zwei Punkte in Hamburg wären Gold wert“, sagt er, während seine Frau Ann Kathrin zu Hause den acht Monate alten Fritz auf dem Arm trägt. Abstiegskampf? Für Beyer ist das ein Wettbewerb mit Messer zwischen den Zähnen.

Im Hinspiel nagelte er dem HSV schon sieben Treffer an die Wand, drei davon vom Strich, eiskalt, kein Zucken. Die Arena wird ihn pfeifen, wenn er Donnerstag um 19 Uhr in der Sporthalle Hamburg einläuft. Er wird lächeln. Dann wird er wieder werfen. Und wieder. Und wieder.

Casper u. mortensen wird ersetzt – und das ist kein zufall

Casper u. mortensen wird ersetzt – und das ist kein zufall

Der Däne geht, der Deutsche kommt. Ein Wechsel, der länger reift als ein guter Rotwein. Bereits in Essen stand Beyer auf dem Zettel, jetzt zieht er an die Elbe. „Ich wollte raus aus der Komfortzone“, sagt er, als hätte er die Rede schon vor Jahren in seinem Kinderzimmer geprobt. Torsten Jansen wartet als neuer Coach, Idol, Vorbild. „Seine Abgezocktheit hab ich mir abgeguckt“, gesteht Beyer und klingt dabei wie ein Schüler, der dem Lehrer die Hausaufgaben klaut.

Die Nationalmannschaft? Kein Traum, nur ein Anruf entfernt. Musche, Mertens, Nothdurft, Freihöfer – das sind die Namen, die vor ihm liegen. Beyer weiß das. Er trägt sie auf seiner Liste wie Schulnoten. „Über einen Anruf würde man sich freuen“, sagt er und meint: Ich bin bereit, Chef.

Der bhc ist sein sprungbrett, nicht seine endstation

Der bhc ist sein sprungbrett, nicht seine endstation

Köln, Magdeburg, Kiel – alle mussten leiden gegen den Abstiegskandidaten. 25:27, 25:28, die Großen zogen sich die Zähne aus. Beyer war meistens der Schlichter. Jetzt will er die Großen tragen. Europa ist kein frommer Wunsch, sondern ein Etappenziel. „Das ist auf jeden Fall möglich“, sagt er über den HSV. Er sagt es so, als hätte er schon die Gruppenphase im Kopf durchgespielt.

Donnerstag wird er sich in die Ecke stellen, wie er es nennt. Dann wirft er sich in den Ball, nicht in den Schlagabtausch. Die HSV-Fans werden buhen. Er wird sie zum Schweigen bringen – oder zumindest bis zur Halbzeit. Danach unterschlägt er nichts mehr. Er wird Hamburg an die Wand nageln, mit jedem Treffer ein kleines Abschiedsgeschenk. Und wenn die Sirene ertönt, wird er durchgehen, ohne sich umdrehen. Die nächste Saison beginnt schon in seinem Kopf. Dort ist er längst angekommen.