Nmecha tickt gegen die uhr: nagelsmann hofft auf wm-wunder
Felix Nmecha liegt auf dem Laufband, das Knie bandagiert, der Blick nach oben. Drei Monate vor der WM in den USA tickt für den Dortmunder Mittelfeldspieler jede Stunde doppelt. Bundestrainer Julian Nagelsmann sagt es offen: Die Pausen sind gerissen.
Am Montag trifft die DFB-Elf in Stuttgart auf Ghana. Nmecha fehlt. Eine Außenbandverletzung warf ihn Anfang Januar aus dem Rhythmus, der BVB sprach von „mehreren Wochen“. Doch selbst wenn der 25-Jährige pünktlich zurückkehrt, bleibt ein Risiko. „Dann ist noch nicht garantiert, dass er schmerzfrei ist oder den Schmerz toleriert“, so Nagelsmann. Die Mediziner nennen das „Restinstabilität“. Der Fußballer nennt es „Alltag“.

Warum nagelsmann trotzdem nicht aufgibt
Sechs Länderspiele hat Nmecha. In jedem davon spielte er sich ein Stückchen mehr in die Stammpläne. Seine Physis ist ein Argument: 1,90 Meter, 84 Kilo, ein Körper, der sich selbst repariert. „Er kann vieles kompensieren“, sagt Nagelsmann und klingt dabei wie ein Biomechanik-Professor, der weiß, dass Muskeln Bänder ersetzen können. Die Ärzte nicken. Nmecha selbst schickt Trainingsvideos aus der Reha-Abteilung, schneller, als das Social-Media-Team sie schneiden kann.
Der Bundestrainer hat keine Zeit für Sentimentalitäten. Er plant mit 26 Namen, die am 15. Juni ins Flugzeug nach Los Angeles steigen. Platz 23 bis 26 sind die Joker. Nmecha will kein Joker sein. Er will starten. „Ein extremer Verlust für uns“, sagt Nagelsmann, wenn er fällt. Die Wortwahl ist bewusst gewählt: nicht „schade“, nicht „ärgerlich“ – extremer Verlust. Denn hinter Joshua Kimmich und Leon Goretzka liegt nur noch ein Kandidat, der sowohl Sechser als auch Achter spielen kann. Nmecha ist dieser Kandidat.
Die Uhr läuft. In der Performance-Datenbank des DFB ist ein rotes Flag hinter seinem Namen. Jeden Morgen um 7:34 Uhr landet ein Statusbericht auf Nagelsmanns Handy. Manchmal steht „Fortschritt“ drin, manchmal „Rückschlag“. Der Bundestrainer schwankt zwischen Optimismus und Realismus. „Ich bin guter Dinge. Er ist optimistisch. Ich auch. Die Ärzte auch.“ Dreimal „auch“ in einem Satz – so klingt Hoffnung, wenn sie gerade noch reicht.
Die WM ist kein Turnier für Halbgewachsenen. Wer in den Kader will, muss Mitte Mai Vollgas geben können. Nmecha hat noch 60 Tage. Das Knie gegen die Uhr. Und die Uhr gegen das Knie.
