Nivokazi schießt sion nach vorn – vom serie-c-ausgestoßenen zum super-league-knipser

Elf Tore in 16 Spielen, keine einzige Niederlage, wenn er trifft: Rilind Nivokazi ist die lebende Antwort auf die Frage, wie schnell eine Karriere kippen kann. Vor vier Jahren saß der heutige Topstürmer des FC Sion noch auf der italienischen Serie-C-Tribüne, vertröstet, vergessen, fast aufgegeben.

Vom abstellgleis in como zum glutofen von bellinzona

Die Zeit in Italien war eine einzige Ernüchterung. „Ich lief in Como mehr Stunden mit der Wasserflasche als mit dem Ball“, sagt Nivokazi, „die Spielphilosophie passte nicht, der Trainer sah mich nicht.“ 18 Monate, 127 Minuten Spielzeit – die Statistik liest sich wie ein Lehrbuch für den Abstieg in die Bedeutungslosigkeit.

Die Schweiz war nie ein Traum, nur eine Notlösung. Chiasso, Rapperswil, Lugano – kleine Stationen, kleine Gehälter, große Zweifel. Die Wende kam 2024 in Bellinzona. Dort schoss er 18 Tore in einer Challenge-League-Saison, traf dreimal per Hacke, zweimal per Fallrückzieher, einmal direkt vom Anstoßpunkt. „Das Jahr war meine persönliche Schule der Härte“, sagt er, „ich lernte, wie man Druck kocht und in Tore umarmt.“

Tholot nutzt die innere uhr des spätfolgers

Tholot nutzt die innere uhr des spätfolgers

Bei Sion angekommen, bekam er sofort das Armband mit dem Löwen – nicht als Geschenk, sondern als Befehl. Trainer Didier Tholot, selbst einst Stürmer ohne große Förderung, erkannte die Muster. „Er erzählte mir, dass er mit 25 noch in der dritten französischen Liga spielte und mit 28 Europa-League-Tore schoss“, berichtet Nivokazi. „Diese Geschichte brennt in mir.“

Tholots taktisches Mantra: früher Start in die Tiefe, spätes Erkennen der Lücke. Genau das, was Nivokazi in Bellinzona perfektionierte. Seine Laufwege sind keine Zufallslinien, sondern Messwerke: 37 % seiner Tore fallen zwischen Minute 75 und 90, wenn die Gegner sich noch einmal öffnen und er sich eben noch einmal versteckt.

Am 6. April trifft Sion auf Grasshopper. Für Nivokazi ist es das Duell mit seinem ehemaligen Leihclub. „Ich schulde ihnen nichts, aber ich will ihnen alles zeigen“, sagt er knapp. Die Statistik spricht für ihn: gegen GC traf er in der Challenge League vier Mal in fünf Spielen.

Die Super-League-Tabelle zeigt Sion auf Rang fünf, zwei Punkte hinter dem Europa-League-Platz. Mehr als die Hälfte der Startelf ist neu, doch die Chemie funktioniert. Nivokazi lacht trocken: „Wir sind keine Truppe, wir sind eine Rettungsinsel – jeder musste schon einmal schwimmen lernen.“

Mit 26 beginnt für ihn gerade das zweite Leben. Vertrag bis 2027, Klausel für eine Auslandsverlängerung, Torschützenkönig-Bonus. Die Zahlen sind schon da, die Geschichte schreibt sich gerade. Und während andere Talente mit 18 gefeiert werden, beweist Nivokazi, dass Spätfolger manchmal die lautesten Schreie ausstoßen.