Neuer-comeback: risiko oder nagelsmanns trumpfkarte?
Die Nachricht schockte viele: Manuel Neuer, nach seiner schweren Verletzung eigentlich für den Rücktritt in spe, kehrt zurück in die deutsche Nationalmannschaft und soll bei der anstehenden Weltmeisterschaft das Tor hüten. Ein Schachzug, der Julian Nagelsmann zwar taktische Optionen eröffnet, aber auch ein erhebliches Risiko birgt – so die Einschätzung von Fußball-Legende Stefan Effenberg.
Effenbergs zweifel: fitness und konstanz
„Die Fitness und Gesundheit des mittlerweile 40-jährigen Neuer sind stets ein Thema“, schrieb Effenberg in seiner Kolumne bei t-online. Seine Worte treffen einen Nerv, denn trotz der Freude über Neuers Rückkehr bleibt die Frage: Kann er das hohe Niveau konstant halten, das von einem Weltklasse-Torwart gefordert wird? Die Tatsache, dass er in der vergangenen Saison lediglich in 37 von 54 Spielen zum Einsatz kam, untermauert diese Bedenken.
Die Diskussionen um Neuer haben die Fußballwelt in den letzten Wochen beschäftigt, obwohl er eigentlich schon 2024 seine Karriere beenden wollte. Nagelsmanns überraschende Kehrtwende hat Oliver Baumann, der lange als Nummer eins gehandelt wurde, auf die Bank verbannt. Doch Effenberg warnt: Was, wenn sich Neuer kurz vor dem Turnier noch einmal verletzt? Dann könnte Nagelsmann für seine Entscheidung büßen.
„Neuer soll offensichtlich seine Trumpfkarte für das Turnier sein – wenn er diese aber verliert, hat er nichts mehr“, so Effenberg. Er zieht eine Parallele zur letzten Weltmeisterschaft, wo Argentinien nicht nur dank Lionel Messi, sondern auch dank des herausragenden Torwarts Emiliano Martínez den Titel gewann. „Da soll ein 40-Jähriger nun konstant mithalten. Da habe ich meine Zweifel.“
Es ist nicht nur die Frage der Fitness, sondern auch der Konstanz. Effenberg weist darauf hin, dass sich bei Neuer in letzter Zeit „fast regelmäßig kleinere oder größere Fehler“ einschleichen. Das Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals gegen Real Madrid zeigte seine Klasse, das Rückspiel jedoch eine erschreckende Instabilität. „Daran besorgt mich auch eine andere Erkenntnis, die ganz Fußball-Deutschland besorgen sollte: Denn trotzdem reicht das aus, um wieder die deutsche Nummer eins bei einer WM zu sein.“

Die aura des weltmeisters und baumanns chance
Nagelsmann mag von Neuers „Aura“ schwärmen, die selbst Top-Stürmer wie Mbappé oder Vini Junior ins Grübeln bringt. Doch Effenberg fordert von Oliver Baumann, dass er nicht passiv auf Nagelsmanns Entscheidung reagiert. „Wäre ich in der Haut von Oliver Baumann, würde ich jetzt zum Telefon greifen und Nagelsmann selbst anrufen.“ Er sollte die Initiative ergreifen und seine Perspektive einbringen, anstatt auf eine Anweisung des Bundestrainers zu warten.
Ob Baumann damit seinen Platz als Nummer eins zurückgewinnen kann, ist fraglich. Doch eines ist sicher: Die Entscheidung für Neuer ist ein riskantes Spiel, das sowohl für den Torhüter selbst als auch für die deutsche Nationalmannschaft weitreichende Konsequenzen haben könnte. Die Welt hält den Atem an – und fragt sich, ob Nagelsmanns Wette auf den alten Hasen aufgehen wird.
