Neuer wird 40: tapalovic bricht sein schweigen über den rauswurf
Am Tag, an dem Manuel Neuer 40 wird, redet der Mann, der ihn zum Weltmeister machte, zum ersten Mal offen über den Bruch mit dem FC Bayern. Toni Tapalovic, elf Jahre lang seine rechte Hand, sagt: „Es war ein Schlag ins Gesicht.“
Die nacht, in der alles zerbrach
Januar 2023, Säbener Straße. Nagelsmann ruft Tapalovic ins Büro, sagt: „Es reicht.“ Kein Vorwurf, keine Erklärung. Nur drei Sätze. Der Torwarttrainer packt seine Kiste, geht durch die Tür, hinter ihm schließt sich das Schloss. Neuer erfährt es per WhatsApp. Er antwortet mit einem einzigen Wort: „Unfassbar.“
Heute, drei Jahre später, sitzt Tapalovic in einem Café in Düsseldorf und erzählt, wie er nachts aufwachte und dachte: „Was war unser Fehler?“ Die Antwort: keiner. „Wir hatten uns nichts zuschulden kommen lassen.“

Die kleinen rituale, die keiner sah
Früher, um 7:13 Uhr, trafen sie sich auf dem Trainingsplatz. Neuer warf ihm einen Ball zu, Tapalovic sagte: „Lass uns die Zeit anhalten.“ Sie bauten ein Tor aus Stöcken, markierten den Strafraum mit Kegel, stellten sich vor, es sei Anfield. Nach jedem Parieren zählten sie nicht Paraden, sondern Herzschläge. „Er wollte wissen, wie schnell er wieder aufstehen kann, wenn der Gegner trifft“, sagt Tapalovic. „Das war unsere Geheimsprache.“
Ohne diese Sprache wurde Neuer laut. Er schrie David Raum an, weil der zu spät nachrückte. Er schimpfte über die PR-Abteilung, weil sie ein Interview ablehnte. Tapalovic hörte das alles aus der Ferne. „Ich konnte ihm nicht mehr sagen: Atme durch, Mann.“

Buffons diagnose: „er spielte, als hätte er keine zeit“
Gianluigi Buffon erinnert sich an das erste Duell mit Neuer, Champions-League-Viertelfinale 2011, San Siro. „Er lief aus dem Tor, als wäre das Spielfeld ein Flur“, sagt der Italiener. „Ich dachte: Der hat keine Angst, weil er keine Zeit hat.“ Buffon schickte Neuer nach dem Spiel eine SMS: „Du wirst die Nummer eins der Welt, aber vergiss nie, warum du angefangen hast.“ Neuer antwortete nicht. Er speicherte die Nachricht und zeigt sie heute noch Freunden, wenn sie fragen, warum er um 39 noch jeden Tag trainiert.
Ulreichs geheimnis: neuer schickt ihm noch immer die aufstellungen
Sven Ulreich sitzt im Auto vor dem Sabener Str. und lacht. „Jeden Freitag bekomme ich eine PDF. Stürmer, Reaktionszeit, Lieblingsecke.“ Der Absender: Neuer. Er macht das, seit er 2011 Kapitän wurde. „Er sagt: Du musst bereit sein, wenn ich mal nicht kann.“ Ulreich hat 237 Dateien auf dem Handy. „Ich schulde ihm 37 Clean-Sheets. Die will ich zurückzahlen.“
Die letzte frage: wird er nach der em aufhören?
Tapalovic zuckt mit den Schultern. „Er wird spielen, bis der Schmerz größer ist als der Spaß.“ Momentan steht es 1:0 für den Spaß. Neuer hat sich im Winter ein neues Knie gönnen lassen, das wie ein altes aussieht. Er trainiert mit 19-Jährigen, läust 5-Kilometer-Tests in 17:48 Minuten. Sein Ziel: eine Statistik, die es noch nicht gibt – ältester Weltmeister-Torwart. Die WM 2026 liegt 541 Tage nach seinem 40er. „Er wird nicht fehlen“, sagt Tapalovic. „Er hat noch eine Rechnung offen – mit der Zeit.“
