Neuer rettet bayern in madrid: die nacht, in der der ball angst bekam

Ein einzelner Mann warnte Europas Königsklasse, dass der Thron von Real Madrid wackelt. Manuel Neuer trat in der 86. Minute aus dem Sechzehner, um Vinícius den Ball vor der Stirn wegzukratzen – und lachte danach, als hätte er gerade die Lottozahlen erraten. Mit diesem Lächeln verschaffte der Torwart des FC bayernMünchen seinem Klub den Atem, den er in der Liga seit Monaten vermisst.

Die statistik lügt nicht – und neuer auch nicht

Sechs Glanzparaden standen am Ende auf dem Blatt, dazu 83 Prozent Passquote. Zahlen, die selbst Thibaut Courtois in der gegnerischen Hälfte schlucken ließen. Denn der Belgier sah aus nächster Nähe, wie Neuer die Latte streichelte, bevor Rodrygos Schuss ins Toraus segelte. „Er hat uns den Glauben genommen“, sagte Ancelotti später in gebrochenem Deutsch. Der Glaube an eine schnelle Vorentscheidung.

Doch der Abend hatte noch eine zweite Ebene. Joshua Kimmich, sonst Dauerkritiker der eigenen Defensive, rannte nach dem Schlusspfiff 60 Meter über den Rasen – nicht zum Jubel, sondern zur Umarmung. Die Szene wurde zum Symbol: Der Kapitän in Spe verbeugt sich vor dem Kapitän in Amt. Ein Foto, das in München bald Poster-Größe haben wird.

Was neuer wirklich ändert – und warum madrid jetzt zittern muss

Was neuer wirklich ändert – und warum madrid jetzt zittern muss

Der Spanische Rundfunk zählte zwölf Ballgewinne Bayerns, die direkt nach Neuer-Abstößen entstanden. Kein Gegner schafft es, die erste pressinglinie so tief zu ziehen wie der deutsche Rekordmeister, wenn der Ball aus der Hand des Keepers fliegt. Das erzwingt Lücken. Lücken, in denen Musiala und Sané bereits sprinten, bevor der Gegner den Kopf heben kann.

Im Rückspiel wird Carlo Ancelotti diese Lücke schließen wollen. Aber er kennt die Rechnung ohne Neuer, der in der Allianz Arena seit 21 Champions-League-Partien ungeschlagen ist. Die letzte Niederlage datiert auf den 17. März 2015 – gegen Porto. Damals war Vinícius noch ein Straßenfußballer in São Gonçalo.

Die Königlichen fliegen mit einem 1:2-Rückstand nach München. Sie wissen: Ein Tor reicht nicht mehr. Und sie wissen auch: Wer gegen diesen Neuer trifft, braucht mehr als Glück. Der Ball hat bereits Angst bekommen. Am Mittwoch bekommt er Heimrecht.