Neuer im bernabéu: kann der routinier die bayern-misere beenden?
Madrid bebt – zumindest in den Köpfen der Fußballfans. Denn das Champions-League-Halbfinale zwischen Real Madrid und dem FC Bayern München steht vor der Tür, und all die Augen sind auf Manuel Neuer gerichtet. Der 40-Jährige, einst Held des Elfmeterschießens gegen die Königlichen, kehrt nun zurück, doch die Zeiten haben sich geändert. Die spanische Presse überschlägt sich förmlich mit Kritik an der Leistung des deutschen Nationaltorwarts, und die Frage, ob er überhaupt noch zu alter Stärke findet, wird immer lauter gestellt.

Die schatten der vergangenheit: eine bilanz der letzten duelle
Die Erinnerungen an 2012 sind noch lebendig, als Neuer mit sensationellen Paraden Cristiano Ronaldo und Kaká überlistete und Bayern ins Finale katapultierte. Doch seitdem hat sich das Kräfteverhältnis verschoben. Aus den vergangenen vier K.o.-Duellen gegen Real Madrid ging Bayern stets als Verlierer hervor. Das Hin- und Rückspiel im letzten Jahr endeten mit einer deutlichen 4:3-Niederlage für die Münchner. Und genau dieses letzte Duell nagt an der Reputation des erfahrenen Torwarts.
Besonders das Rückspiel in Madrid wirft lange Schatten. Nach einer ansprechenden Leistung patzte Neuer kurz vor Schluss, als er einen Schuss aus der Strafraumkante unglücklich abprallen ließ – Joselu staubte ab und traf zum Ausgleich. Nur wenige Augenblicke später war es erneut Joselu, der den Siegtreffer für Real Madrid markierte. Diese Szene, so die spanische Presse, habe das Bild von einem Neuer gezeichnet, der nicht mehr der unantastbare Fels in der Brandung ist, den viele einst kannten.
Marca, die renommierte spanische Sportzeitung, titelte unmissverständlich: „Neuer lässt in seiner Wachsamkeit nach.“ Die Zahlen untermauern diese Einschätzung. 29 Gegentore in 30 Pflichtspielen und eine Abwehrquote von lediglich 58,7 Prozent – das sind alarmierende Werte, die Neuer im Vergleich zu anderen Torhütern der Top-Ligen Deutschlands auf einen traurigen Tabellenplatz rücken lassen. Die Datenanalyse-Firma Driblab ordnet ihn im unteren Bereich aller Torhüter beim Verhältnis von Paraden zu Gegentoren ein.
Doch es gibt auch Lichtblicke. Neuer brilliert weiterhin im Spielaufbau mit einer außergewöhnlichen Passquote von 91,8 Prozent in der eigenen Hälfte und 45,3 Prozent in der gegnerischen. Seine Fähigkeit, das Spiel mitzuerkenntnis und präzise Pässe zu spielen, ist unbestritten eine seiner größten Stärken.
Trainer Vincent Kompany steht seinem Kapitän uneingeschränkt zur Seite. „Mit 40 ist man noch jung. Entscheidend ist der Hunger“, betonte Kompany. Felix Magath, der einst mit Neuer triumphiert hat, adelte ihn ebenfalls: „Ich sehe Manuel auf einer Stufe mit Messi und Cristiano Ronaldo.“ Eine kühne Aussage, die zeigt, welches Vertrauen in die Fähigkeiten des Routiniers besteht.
Die Frage, ob Neuer seine Karriere über die laufende Saison hinaus fortsetzen wird, bleibt offen. Doch eines ist sicher: Am Mittwochabend wird er wieder im Bernabéu stehen – dem Ort, an dem er einst Geschichte schrieb. Die Aufgabe ist klar: Er muss seine Kritiker eines Besseren belehren und beweisen, dass er trotz seines Alters noch immer zu den besten Torhütern der Welt gehört. Denn die Erinnerung an 2012 ist zwar verblasst, aber das Potenzial für eine neue Heldentat ist noch immer da. Ob er es nutzen kann, bleibt abzuwarten – die Welt schaut gespannt zu.
