Neuer fehlt gegen finnland – nagelsmann verweigert klares bekenntnis

Kein Manuel Neuer im Tor, kein eindeutiges Versprechen für die Generalprobe: Julian Nagelsmann schont den 40-jährigen Kapitän beim Länderspiel gegen Finnland und offenbart damit die größte Unwägbarkeit vor der WM. Die hartnäckige Wadenreizung verhindert jede Risikobewertung, die gute Nachricht trägt den Namen Oliver Baumann.

Warum baumann jetzt dran ist

Nagelsmann spricht Klartext im ZDF: „Je länger wir der verhärteten Struktur Zeit geben, desto besser.“ Das klingt ärztlich, ist aber nur die halbe Wahrheit. Der Bundestrainer belohnt mit der Nominierung gegen Finnland auch die unaufgeregte Professionalität des Hoffenheim-Keepers. Baumann absolvierte die gesamte Qualifikation als Nummer zwei, organisierte die Trainingsgruppe mit und stellte sich nie vor die Kamera. Jetzt darf er sich vor 75.000 Zuschauern im Borussia-Park ins Rampenlicht spielen.

Die Frage, ob Neuer in Chicago gegen die USA zurückkehrt, vernebelt Nagelsmann gekonnt: „Das entscheiden wir nächste Woche.“ Der Satz wirkt wie ein Mantra, hinter dem sich ein einfaches Kalkül verbirgt. Jeder Tag ohne Schmerzen verkürzt die Pause vor dem WM-Auftakt am 24. November. Jeder Ball, den Baemann pariert, senkt den Druck.

Die stoppuhr tickt

Die stoppuhr tickt

Zwei Wochen und drei Tage trennen Deutschland noch vom ersten Gruppenspiel. Das Trainingslager in Oman startet in acht Tagen. Dort will Neuer wieder ins Mannschaftstraining einsteigen, sonst droht das Szenario, das in der Torhüterszene schon als „Kahn-2006-Déjà-vu“ kolportiert wird. Damals stolperte der Titan mit 37 Jahren über eine Ellbogenblessur ins Turnier und schaffte nur das Minimum.

Für Baumann ist das Finnland-Spiel mehr als ein Test. Es ist die einzige echte Generalprobe vor der WM. Nagelsmann spricht ihm das absolute Vertrauen aus: „Ich hoffe, dass er ein herausragendes Spiel macht.“ Die Wortwahl ist bewusst ambitioniert – ein Torhüter, der sich jetzt profiliert, könnte auch im Turnier plötzlich gefragt sein.

Die Logik ist simpel: Wenn Neuer am Dienstag in Frankfurt noch nicht wieder voll belastbar ist, muss Baumann gegen die USA erneut ran. Dann wäre er zwei Spiele vor der WM die Nummer eins. Und wer weiß, vielleicht übernimmt er diese Rolle sogar in Katar. Die Wadenreizung entscheidet mit, nicht Julian Nagelsmann.