Nebel vereist garmisch: super-g fällt aus – baumanns karriereende ohne letztes rennen
Der Kandahar war perfekt präpariert, die Stimmung im Kasten – aber oben hing der Nebel wie ein undurchdringlicher Vorhang. Um 12.45 Uhr musfte Jury-Chef Sepp Kompatscher die Sicherheit siegen lassen und den Super-G der Männer in Garmisch-Partenkirchen abblasen. Kein Rennen, keine Punkte, kein großer Abschied: Romed Baumann beendet seine 18-Jahre-Karriere mit einem Nuller statt mit einem letzten Sprint.
Startnummer eins wartete vergeblich auf sicht
Seit 9.30 Uhr standen die Fahrer in Startposition, mussten aber immer wieder zurück. Der Nebel ballte sich vor allem im oberen Drittel der 2,2 km-Strecke, genau dort, wo die Piloten nach dem Flachstück in die Free Fall-Curves einfallen und bei 110 km/h die Kanten wechseln. Felix Neureuther fluchte ins ARD-Mikro: „Die untere Hälfte ist ein Traum, aber oben sieht man drei Tage lang nichts.“ Wolfgang Maier, Sportdirektor des DSV, bestätigte: „Die Sicht bleibt unter 50 Meter, das ist Lebensgefahr.“
Der Verdampfer war programmiert. Drei Stunden Verzögerung, fünf Startverschiebungen, ein letzter Blick um 12.38 Uhr – dann war klar: Der Terminkalender gewinnt gegen die Natur. Das Rennen wird am Freitag, 13. März, in Courchevel nachgeholt – mitten zwischen zwei Riesenslalom-Wochenenden, was die Material-Abstimmung zur Lotterie macht.

Garmisch und das wetter: eine hassliebe mit serie
Die Statistik ist brutaler als jede Kandahar-Piste: In den letzten fünf Jahren fielen hier vier von acht geplanten Weltcup-Rennen aus – dreimal Nebel, einmal Tauwetter. Sponsor Logen blieben halb leer, ORF und ZDF mussten auf Einspieler umschalten, die Hotellerie verlor laut Bayerischem Skiverband rund 1,2 Millionen Euro Übernachtungsumsatz. „Wir können nicht noch einmal Startgeld zahlen, wenn keiner startet“, sagt Organisationschef Peter Fischer trocken.
Für den ÖSV ein Schlag ins Kontor: Marco Odermatt führt die Gesamtwertung an, wollte in Garmisch Punkte sichern. Nun droht ihm in Courchevel ein Start mit Null-Vorbereitung, weil dort die Pistenbeschaffenheit ganz andere Linien erlaubt. „Wir fliegen nach Frankreich, ohne die Kandahar-Informationen im Rücken“, sagt Schweiz-Coach Thomas Stauffer. „Das ist, als würde man eine Klausur schreiben, ohne das Skript gelesen zu haben.“

Baumanns letzter blick geht ins leere
Romed Baumann hatte sich eigentlich ein Feuerwerk erhofft: 176 Weltcup-Stars, Olympia-Bronze 2018, fünf Podeste. Stattdessen steht er am Sonntagmittag in der Startbox, zieht die Brille hoch – und sieht nur Grau. „Ich wollte noch einmal Vollgas geben, noch einmal diesen Flow spüren, wenn die Kanten quietschen“, sagt er später. „Dann bleibt nur das Gefühl der Leere.“
Seine Kollegen klopfen ihm auf die Schulter, die Schweizer Sieger vom Samstag feiern trotzdem. Doch der deutsche Rekordhalter bei Abfahrtsrennen verlässt die Weltbühne mit einem imaginären letzten Lauf – und mit der Gewissheit, dass die Natur letztlich schneller ist als jede Skispitze.
Die Saison geht weiter, der Kalender bleibt dicht. Doch für Garmisch steht am Ende wieder nur eine Zahl: 0 – keine Sekunde gefahren, keine Zuschauer jubelnd, keine Punkte verteilt. Der Nebel hat gewonnen, die Kandahar verliert – und ein Karriereende findet statt, das niemand so erleben wollte.
