Nawrath verpasst historischen sieg – dsv ohne weltcup-triumph zum saisonfinale

3,7 Sekunden fehlten. Dann hätte Philipp Nawrath am Holmenkollen den ersten deutschen Männersieg dieser Biathlon-Weltcup-Saison gelandet. Stattdessen schreibt der Nesselwanger Geschichte als Vizemeister – und der Deutsche Skiverband (DSV) quetscht sich mit acht Podestplätzen in eine Statistik, die niemand wollte: erstmals seit Einführung der Weltcups 1977/78 gehen die deutschen Männer komplett sieglos durch den Winter.

Der lauf, der alles versprach

Nawrath stand in Oslo nach 15 km und vier Schießeinlagen ohne Strafrunde da. Neben ihm nur der Norweger Johan-Olav Botn. Beide gingen gleichzeitig in die letzte Runde, doch der Gastgeber zog auf der Zielgeraden den längeren Hebel. «Ich habe alles rausgehauen, aber Botn war einfach einen Tick schneller», sagte Nawrath, der damit seinen zweiten Saison-Zweitplatz einfuhr – nach Oberhof im Januar.

Die 3,7 Sekunden Rückstand sind die kleinste Zielspalte eines Deutschen in diesem Winter. Eric Perrot, der Franzose, der schon vor dem Rennen als Gesamtweltcupsieger feststand, sicherte sich mit Platz drei seine dritte Disziplinwertung – ein Nebenschauplatz für das DSV-Lager, das sich mit Rang vier in der Nationenwertung zufriedengeben muss. Dahinter klafft ein Riesenloch zu Norwegen, Frankreich und Schweden.

Strelow stabil, horn verheddert

Strelow stabil, horn verheddert

Justus Strelow lief als 15. mit nur einer Strafrunde konstant, Philipp Horn schoss vier Mal daneben und wurde 21. – ein unrühmlicher Saisonausklang für den Oberhofer, der im Verlauf des Winters immer wieder zwischen Hoffnung und Frust pendelte. Die Bilanz: kein einziger Sieg, dafür acht Podestplätze, die wie Trostpflaster wirken.

Nawrath schob sich durch das starke Holmenkollen-Rennen noch in die Top Ten des Gesamtweltcups. Das ist keine Trophäe, aber ein Signal: der 32-Jährige kann auf der Linie mithalten, wenn Schießen und Laufpassen. Nur die letzten Meter fehlen.

Sommerloch statt siegerpose

Sommerloch statt siegerpose

Nun beginnt die längste Pause des Jahres. Ein paar Wochen Strand, dann rollt schon wieder die Lochscheibe im Trainingslager. Der Weltcup startet am 26. November in Kontiolahti, die WM steht vom 10. bis 21. Februar 2027 in Otepää an. Die deutschen Männer reisen ohne Sieg, aber mit offenen Rechnungen. Die Uhr tickt – und die Gegner schlafen nicht.