National league zwingt swiss league in die knie – u23-offensive startet

Die Machtfrage ist entschieden: Die National League schickt der Swiss League eine U23-Superliga und erklärt damit die bisherige Zweitklassigkeit zur Talent-Farm. Hinter verschlossenen Türen laufen bereits die Stoppsuhren – die Klubs wollen die Reform noch vor dem Sommerstart durchdrücken.

Der plan, den keiner bestellt hatte

Klaus Zaugg brachte den Funken, die NL liefert nun das Feuer. Ihr Positionspapier liest sich wie ein Ultimatum: Entweder die Swiss League schluckt die neue U23-Liga oder sie verliert ihre Existenzberechtigung. Dabei beteuert die NL, nie ernsthaft über eine Hybridliga nachgedacht zu haben – ein Satz, der in Chur, Lausanne und Biel für blankes Hämischeln sorgt. Dort spielen aktuell 34 Profis mit B-Lizenz, die künftig zwischen Farm und Leihclub pendeln sollen. Der Rest? Weg vom Fenster.

Die Rechnung ist kühl: 14 NL-Klubs erhalten eine zusätzliche Spielklasse, um ihre 19- bis 22-Jährigen unter Kontrolle zu halten. Weniger Spiele, dafür mehr Trainingseinheiten unter Profibedingungen. Die Swiss League soll sich „als eigenständige Profiliga profilieren“ – ein Satz, der klingt wie ein Trostpreis. Tatsächlich droht ihr der Talentschwund. Wer gibt schon 250'000 Franken Budget aus, wenn die besten jungen Spieler in der U23-Liga verpachtet werden?

Die zeitbombe tickt laut

Die zeitbombe tickt laut

Die SIHF hat das Papier erhalten, mehr nicht. Verbandspräsident Marc Waibel sitzt zwischen den Stühlen: Zwingt er die Swiss League in die Knie, spaltet er den Verband. Lässt er die Reform passieren, liefert er der NL die Macht über die gesamte Nachwuchsentwicklung. Ein Vorstandsmandant verrät: „Intern reden wir von Wochen, nicht Monaten. Die Klubs wollen die Entscheidung vor der Playoff-Finalserie.“

Die Spielergewerkschaft SAFP zieht bereits die Schotten hoch. Ihr Vorstand rechnet vor: 60 Prozent der aktuellen U23-Stammkräfte der Swiss League verlieren bei der Reform sofort ihren Stammplatz. Die NL dagegen wirbt mit dem Gegenteil: mehr Schweizer Einsatzzeiten, kürzere Wege in die NLA. Doch die Zahlen lügen nicht: In der laufenden Saison kamen durchschnittlich 8,7 Schweizer pro NL-Team auf mehr als 15 Einsatzminuten – ein historischer Tiefstwert. Die U23-Liga soll diesen Wert erhöhen, indem sie die Konkurrenz einfach aushebelt.

Der HC Davos, dieses Jahr dominant in der Regular Season, nutzt die Offensive bereits als Erpressungsschritt. „Wenn wir die Reform nicht bekommen, ziehen wir unsere Talente komplett zurück“, drohte Sportchef Jan Alston beim letzten Klubforum. Andere folgen. Die Swiss League steht mit dem Rücken zur Wand.

Am Ende bleibt die Frage: Wer profitiert? Die NL sichert sich die Nachwuchs-Monopolstellung. Die Spieler zwischen 19 und 22 erhalten ein Dutzend neue Plätze – aber verlieren die Freiheit, sich in der Wildnis der Zweitliga-Profis zu beweisen. Und die Fans? Die erhalten eine neue Liga, die keiner bestellt hat und die die alte Liga aushöhlt. Die Uhr tickt. Am 15. Mai tagt die SIHF-Delegiertenversammlung. Dann entscheidet sich, ob die Swiss League künftig nur noch ein Sprungbrett für die Farmteams der Reichen ist.