Napoli schreibt nach dreierpack und comebacks wieder scudetto-geschichte
Drei Siege, neun Punkte, ein Fünkchen Hoffnung – und plötzlich redet wieder ganz Italien vom Napoli. Die Serie von Antonio Conte hat nach monatelanger Verletzungsmisere die Kurve gekriegt: Lukaku, De Bruyne, Anguissa und McTominay stehen zurück auf dem Rasen, das Maradona-Stadion droht zu explodieren.

Warum der meister jetzt doch noch angreifen kann
Neun Spieltage sind es noch, neun Punkte fehlen auf Tabellenführer Inter. Klingt viel, ist es in der Postseason-Formel von Conte aber nicht. Das Programm liefert nur zwei echte Direktduelle: Milan kommt an Ostern nach Neapel, Anfang Mai reist der SSC nach Como – genau dorthin, wo die Titelmission 2024 kurz ins Wanken geriet, bevor sie Fahrt aufnahm.
Die Statistik lügt nicht: Seit dem 8. Dezember ist der Maradona-Tempel unbefristet gesperrt für Gäste. Kein Gegner holte dort mehr etwas Zählbares, selbst Inter und Juve wurden mit dem Rasen vertraut gemacht. Fünf der letzten neun Partien bestreitet Napoli daheim – ein Sechstel der Saison also im eigenen Wohnzimmer. Wer da noch von Auswärtsmentalität redet, hat die Serie nicht verstanden.
Doch der eigentliche Turbo sitzt nicht im Kalender, sondern im Aufenthaltsraum. Rasmus Hojlund hat Lukakus Ausfall in puren Torlaune verwandelt – 17 Saisontreffer, persönliche Bestmarke bereits eingestellt. De Bruyne und Anguissa meldeten sich nach fünfmonatiger Reha pünktlich zum Endspurt zurück, McTominay feierte nach fünf Spielen Pause sein Comeback. Lobotka, Neres, Vergara – alle auf dem Sprung. Conte kann wieder mit dem berüchtigten „Rotation-Drill“ planen, der letzte Saison den Taktgeber zerlegte.
Die Geschichte spricht gegen Napoli: Noch nie verteidigte ein Klub aus der Terra di Lavoro den Scudetto, nicht einmal Maradonas Zaubertruppe schaffte die Double-Mission. Aber Geschichte ist Papier, wenn ein Coach auf der Bank sitzt, der aus dem Zehnten von 2023 in zwei Jahren einen Champion machte. Conte liebt narrative Sprengstoffe, und seine Mannschaft hat gerade die erste Zündung verpasst.
Inter mag noch vorne liegen, spürt aber den Atem im Nacken. Mailand war 2024 selbst noch Neuner, bevor die Meisterphase startete. Die Rossoneri wissen, dass ein Punkt Vorsprung am 30. Spieltag nur ein Kratzer ist, wenn der Gegner seine komplette Kanone in Position bringt. Und Neapel richtet eben grade die Batterie aus.
