Napoli schießt vor: conte jagt die inter-elf mit sechs-punkte-abstand
Ein verschossener Rückpass, ein überraschender McTominay-Abschluss, ein 1:0 in Cagliari – und die Meisterschaft ist wieder offen. Antonio Conte baute nach dem Schlusspfiff im Sardinien-Staub die Schultermuskulatur auf, als wollte er das Gewicht der eigenen Worte spüren: »Niemand kann uns verbieten, nach vorn zu schauen.«
Conte kehrt in sein lieblingsformat zurück
Vier Siege, null Gegentore, zwölf Punkte. Das ist seit vier Spieltagen die Bilanz der Partenopei, die damit – zumindest für eine Nacht – den AC Milan vom zweiten Rang verdrängt und den Rückstand auf Tabellenführer Inter auf sechs Zähler verkürzt haben. Die Quadratur war nötig: Vor einem Monat schien der Titeltraum begraben, Champions-League-Aus, Pokal-Aus, Derbypleite gegen Atalanta. Doch Conte, der König der week-to-week-Disziplin, nutzte die freie Woche, um sein Programm exakt durchzuziehen.
Castel Volturno wurde zur Schaltzentrale. Kein Europacp, kein Mittwochsspiel, kein Jetlag – nur Trainingsplatz, Videoanalyse, Erholung. Kevin De Bruyne kehrte zurück in die Startelf, Frank Anguissa bekam wieder Luft, Amir Rrahmani fehlt zwar weiterhin, doch Juan Jesus und Natan hielten die Null. Die einzige Frage lautet jetzt: Hält Inter dem Druck stand?

Ostermontag wird zur schicksalsachterbahn
Am Sonntag empfängt Inter eine angeschlagene Roma, die Gasperini in die Champions League führen muss. Am Ostermontag kommt es dann zum Napoli gegen Milan in der Maradona-Arena. Ein Sieg der Azzurri und der Vorsprung schrumpft auf drei Punkte – bei noch acht Spieltagen. Ein Remis würde Inter Luft verschaffen, aber auch die Angst vor der erneuten Bologna-Falle am letzten Spieltag schüren.
Conte selbst hat fünmal die Serie A gewonnen, dreimal mit Juve, einmal mit Inter, einmal bereits mit Neapel. Kein Europapokal, dafür aber ein systematischer Herbst, wenn der Trainingsrasen frei von Spuren europäischer Reisestrapazen bleibt. Seine Spieler laufen nicht mehr nur, sie rennen mit einer klaren Marschrichtung: 24 Punkte sind noch drin, und die Tabelle lügt bekanntlich nicht.
Die nächsten sieben Spieltage lesen sich wie eine Kletterpartie voller Loseisen: Como zweimal (Liga und Pokal), Lazio, Bologna. Inter muss dreifach ran, Napoli nur einmal. Die Frage ist nicht mehr, ob die Meisterschaft spannend wird – sondern nur noch, wann die Inter-Elf das erste Mal zittert.
Contes Mindgames laufen bereits auf Hochtouren. Mourinho war der Meister der Psychologie, Conte ist der Ingenieur der Tabellenmathematik. Bei seinem Blick auf die verbleibenden 720 Minuten plus Nachspielzeit dürfte er bereits wissen: Wer zweimal wackelt, verliert den Scudetto. Und Napoli hat gerade erst wieder gelernt, wie man gewinnt, ohne zu glänzen – die gefährlichste Art von Siegen.
