Napoli rollt den kreisel: conte plant die meister-frühjahrs-offensive

Am Freitag in Cagliari beginnt für den SSC Neapel der Endspurt. Die Kabine kocht – nicht vor Erschöpfung, sondern vor Konkurrenz. Denn plötzlich hat Antonio Conte wieder Optionen, wo zuletzt nur Notlösungen standen.

Lobotka zittert, anguissa lacht

Stanislav Lobotka, das Herzstück der Rondò-Maschine, fehlt weiterhin. Die Adduktoren senden keine klaren Signale, das Medical Staff wartet auf den nächsten Ultraschall. Kein Drama, sagt Conte, aber hinter vorgehaltener Hand flüstern seine Assistenten: „Wenn wir ihn verlieren, verlieren wir Tempo.“

Dafür grinst Frank Anguissa. Der Kameruner hat die Länderspiel-Pause genutzt, um seine Knie-Entzündung auszukurieren. Am Mittwoch absolvierte er ein 30-Minuten-Sprintprogramm auf dem Feld hinter dem Centro Tecnico Castel Volturno – ohne Leistenzähler, aber mit Blick auf den Gegner. Conte plant ihn sofort wieder in die Sechser-Doppelachse. Die Frage lautet nicht mehr „ob“, sondern „rechts oder links“.

Juan Jesus schleppt sich hinterher. Der Brasilianer absolvierte Einzelarbeit mit Fitnesstrainer Raffaele Canonico. Die Adduktoren reagieren, der Kopf will. „Ich will Mailand“, rief er den Reportern zu. Ob es reicht? 48 Stunden Zeit, sagt Conte, dann entscheidet das MRT.

Di lorenzo kommt später – und bringt den biss mit

Di lorenzo kommt später – und bringt den biss mit

Giovanni Di Lorenzo, der Kapitän, steht noch in Quarantäne – aber nur phasenweise. Nach der Länderspiel-Pause soll der Rechtsverteidiger wieder einsatzbereit sein. Conte hatte ihn zuletzt als „Kommunikationsrohr“ bezeichnet, weil er die Abwehrreihe in Sekundenschnelle umbiegt. Ohne ihn wirkt das 4-3-3 wie ein Formel-1-Auto mit nur drei Zylindern.

Die Planung ist klar: gegen Cagliari Rotation, danach Vollgas. Der Kalender hilft. Nach dem 2:0 gegen Atalanta haben die Partenopei die beste Tordifferenz der Rückrunde (+14), Milan patzt in Udine. Das Scudetto liegt nicht mehr in fremden Händen – es liegt an der Fitness der Wade von Lobotka und an der Frische von Anguissa.

Conte selbst sitzt jeden Abend bis 23 Uhr im Videozelt. Er schneidet McTominays Laufwege, De Bruynes Ballannahmen, Anguissas Zweikampfquoten. „Wenn wir Cagliari schlagen, haben wir 72 Punkte und den Heimvorteil im Rückspiel gegen Milan“, sagt er zu seinem Stab. Die Zahlen sprechen für sich: Seit 1990 gewann Neapel 87 % der Spiele, in denen Anguissa und Lobotka gemeinsam von Beginn an spielten.

Die Spieler spüren den Druck – und lieben ihn. In der Kabine hängt ein Zettel: „Wer zuerst träumt, verliert.“ Darunter hat Khvicha Kvaratskhelia mit schwarzem Marker nachgetragen: „Also wach bleiben, Jungs.“