Napoli: allegri – rettung oder verirrung am vesuv?
Neapel steht am Scheideweg. Nach Jahren des Höhenflugs und der stilistischen Eleganz unter Benitez und Sarri scheint der Verein nun eine Wende einzuschlagen – eine Wende, die von vielen als riskant, wenn nicht gar fatal angesehen wird: Max Allegri, der Meistertaktiker der Juventus-Ära, ist der neue Trainer. Doch statt Jubel hallt Skepsis wider, eine Mischung aus Enttäuschung und der Angst vor dem Verlust des einzigartigen, leidenschaftlichen Fußballs, der den San Paolo so besonders macht.

Die erwartungen des publikums: ein „allegro“ fußball
Die Anhänger Neapels, bekannt für ihre feinfühlige Fußballkultur, hatten sich ein anderes Szenario vorgestellt. Allegri, dessen Ruf auf einer pragmatischen, oft als defensiv und abwartend empfundenen Spielweise beruht, passt nicht ins Bild. „Chillo sollte in Bruscolotti trainieren, nicht am Maradona!“, raunen die Stimmen in den Vierteln der Stadt. Die Erinnerung an die glorreichen Zeiten, an das dominante Spiel unter Sarri, ist noch lebendig. Die Angst, dass Allegri den Fußball in eine Abwehrschlacht verwandeln könnte, ist allgegenwärtig.
Es ist ein Kontrast, der fast schon dantesch wirkt: Der Trainer, der seine Spieler auffordert, zum Zirkus zu gehen, wird von einem Präsidenten eingestellt, der selbst im Filmgeschäft tätig ist. Die Verpflichtung von Allegri wurde nicht mit Feuerwerk gefeiert, sondern mit einer stillen, fast schon resignierten Akzeptanz. Die Frage, die sich jeder Neapolitaner stellt, ist: Wird Allegri seinen Prinzipien treu bleiben oder wird er sich dem Druck der Situation beugen und den „allegro“ Fußball von Cagliari wiederentdecken?
Doch in Neapel, der Stadt des Optimismus, gibt es auch Hoffnung. Wie es im Dialekt heißt: „Storta va, deritta vene“ – das Schiefe geht, das Gerade kommt. Die Dinge richten sich schon wieder. Und es gibt Argumente, die für Allegri sprechen. Er hat sechs Meistertitel und zwei Champions-League-Finals auf seinem Konto. Er war bereits als Spieler in Neapel aktiv und kennt die Stadt und ihre Menschen.
Die Hoffnung ruht auf einer Transformation. Dass Allegri, von der Schönheit des Vesuvs, des Cristo Velato und der Inseln inspiriert, eine Art „Südstaaten-Verzauberung“ erfährt, wie sie einst Bisio in „Benvenuti al Sud“ erlebte, und seine pragmatische Spielweise zugunsten eines offensiveren, attraktiveren Stils aufgibt. Die Vorstellung, dass Allegri plötzlich ausruft: „Jamme!“, anstatt „Halma!“, lässt die Herzen der Neapolitaner schneller schlagen.
Die Frage ist, ob die „Fab Four“ – Allegri und die Stars der Mannschaft – in der Lage sein werden, das zu schaffen, was Allegri mit Mandzukic und der Juventus fast geschafft hat: die Champions League zu gewinnen. Die Zeit wird es zeigen. Doch eines ist sicher: Neapel erwartet mehr als nur ein Überleben in der Serie A. Neapel erwartet Leidenschaft, Kreativität und den „allegro“ Fußball, der die Stadt so einzigartig macht.
