Naples wirft den handschuh: neuseeland tauft ac75 mit riesiger stadt-hommage

Grant Dalton hat es wieder getan. Kaum hatte die Emirates Team New Zealand den frisch getunten AC75 „Taihoro“ in Auckland zu Wasser gelassen, da prangten auf den Foil-Armen bereits riesige weiße Buchstaben: Napoli. Kein Logo, kein Sponsor – einfach nur der Name der italienischen Hafenstadt, die 2027 Gastgeber der 38. America’s Cup wird. Der Clou: Das schwarze Gesamtdesign bleibt unangetastet, nur die seitlichen Träger schreien in leuchtendem Hellblau einen Gruß Richtung Europa – und damit direkt in die Fahrwasser von Luna Rossa Prada Pirelli.

Ein schachzug mit doppeltem boden

Matteo De Nora, italienischer Team-Principal der Kiwis, hatte vor Wochen in einem Interview gemeint: „Luna Rossa ist Italiens Team, aber die Coppa America in Neapel haben wir nach Auckland geholt.“ Die Aktion ist deshalb mehr als ein nettes Gimmick. Sie ist Teil der psychologischen Kriegsführung, mit der Neuseeland seine Dominanz schon vor dem ersten Startschuss unterstreicht. Die AC75 „Taihoro“ – Maori für „schnell wie der Ozean zwischen Himmel und Erde“ – soll nicht nur segeln, sondern auch im Kopf der italienischen Konkurrenz landen.

Dalton und seine Ingenieure haben den Rumpf des Siegers von Barcelona 2024 behalten, doch die Umbauten sind signifikant. Weg sind die Cyclors, die Rad-Trimmer, weg ist ein Großteil der Crew – statt acht sind es nur noch sechs an Bord. Dafür sorgt eine 400-Kilo-Lithium-Batterie für die nötige Energie, um die mächtigen Flight-Controller und Hydrofoils zu bedienen. Bis zu vier Quadratmeter Rumpflänge durften neu gebaut werden, um Gewicht zu sparen und die Aerodynamik zu schärfen. Das Cockpit wurde komplett neu modelliert, sogar ein Passagierplatz ist integriert – ein Luxus, den es zuletzt 2007 in Valencia gab.

Luna rossa schwieg bislang – und arbeitet im verborgenen

Luna rossa schwieg bislang – und arbeitet im verborgenen

Während die Kiwis mit Spektakel punkten, hält sich Luna Rossa Prada Pirelli bedeckt. Die Basis im sardischen Cagliari wird zurzeit heiß gelaufen: Zwei AC40-Teams trainieren täglich auf dem Poetto-Strand, das Haupt-Team um Olympia-Goldsegler Ruggero Tita, Marco Gradoni, Gigi Ugolini und Umberto Molineris. Der Neuzugang Josh Junior, dreimaliger Olympiateilnehmer und früherer Finn-Dinghy-Weltklasse, schließt sich an – ein Transfer, der vor allem intern für Rätsel sorgt. Was genau der Neuseeländer macht, verrät Patrizio Bertelli nicht. Fest steht: Burling & Co. haben ihre Spionage nicht erfunden, sie perfektionierten sie.

Die Teilnehmerliste bleibt trotz offizieller Meldefrist bis 31. März 2025 ernüchternd kurz: fünn Teams. Alinghi Red Bull Racing, Athena Racing, K-Challenge und eben die beiden Dauerrivalen aus Auckland und Italien. Eine Verlängerung der Deadline wäre laut Verbandschef Max Sirena „ein Schlag ins Gesicht aller, die pünktlich waren“. Die Preliminary Regatta vom 21. bis 24. Mai 2026 in Cagliari wird deshalb vor allem ein interner Check – auf Schiffe, die eigentlich schon bekannt sind.

Doch zurück zum Foto, das derzeit alle Segel-WhatsApp-Gruppen füllt: Blauer Himmel, schwarzer Rumpf, leuchtendes Hellblau auf den Foils. Darunter die Worte Napoli 2027. Ein Bild, das neben Stolz auch Frust verbreitet – bei den Italienern. Denn wer die Kiwis kennt, weiß: Das ist erst der Anfang. Und Taihoro ist noch nicht einmal voll getestet.