Nairo quintana siegt in asturien – und nimmt abschied mit einem foto im herzen
Er fuhr nicht nur aufs Podest, er fuhr direkt in die Geschichtsbücher. Nairo Quintana gewann zum dritten Mal die Vuelta a Asturias, doch diesmal war die Ziellinie ein Vorhang, der sich langsam schließt. Mit 36 Jahren, in seiner letzten Saison, holte der Kolumbianer seinen 52. Profisieg – und vielleicht den emotionalsten.
Am freitag in pola de lena war alles entschieden
Dort griff er 35 Kilometer vor dem Ziel an, ließ die Konkurrenz stehen und fuhr allein durch den Nebel. Kein Showgehabe, nur reine Rechnung: Wer Quintana kennt, weiß, dass er keine Feuerwerke braucht, sondern nur eine Lücke. Die hatte er nach der Etappe: 46 Sekunden Vorsprung auf Adrià Pericas, 22 Jahre jung, UAE-Emirat, Zukunft. Hinten raus fuhr die Vergangenheit vorneweg.
Die letzte Etappe von Lugones nach Oviedo war Formsache. Quintana ließ sich von seinen Movistar-Kollegen durch die Hügel Asturiens lotsen, während vorn der Mexikaner Edgar Cadena noch einmal zeigte, was er draufhat. Solo über die letzten 8,4 km – zweiter Etappensieg binnen 24 Stunden. Dahinter Pericas, tapfer, aber ohne echte Waffe gegen die Uhr.

Asturien ist sein zweites wohnzimmer
2017 gewann er hier, 2021 wieder, 2025 zum letzten Mal. Die Straßen rund um Covadonga, Angliru und La Manzaneda kennen seine Gangart. „Ich spüre jeden Berg, als würde er mir Lebewohl sagen“, sagte Quintana, nachdem er über die Zieleinfahrt rollte. Kein Champagner, nur ein Foto: Er hält das Trikot hoch, dahinter seine Frau und sein Sohn. Ein Bild für die Schublade, wenn die Beine einmal stillstehen.
Für Movistar ist der Sieg ein versöhnlicher Schlussstrich. Quintana kehrte nach fünf Jahren Exil zurück, nicht als Retter, sondern als Erinnerung an bessere Zeiten. „Wir haben nichts mehr zu beweisen, nur noch zu genießen“, sagte Teamchef Eusebio Unzué. Die Telefónica-Truck haben bereits seine Kisten gepackt: Rennrad, Regenjacke, drei Wollmützen – und eben dieses Foto.
Pericas fährt mit frischem Selbstvertrauen nach Hause. Zweiter Gesamtrang, zwei Top-3-Etappen – das reicht für einen Vertrag, der bis 2027 verlängert wird. „Ich habe gegen eine Legende verloren, aber ich habe gelernt, wie man sie schlägt: früher angreifen, später nicht nachlassen“, lachte der Katalane. Die Zukunft trägt sein Gesicht, doch der Moment gehört Quintana.
Am Ende blieb ein Händedruck an der Strecke. Ein Fan übergab ihm ein kleines Bild: Quintana auf dem Angliru, 2017, die Armen hoch. Er steckte es ein, ohne zu schauen. Manchchmal reicht ein Foto, um ein ganzes Leben zu verpacken. Quintana wird es irgendwann an die Wand hängen – und dann die Schuhe an den Nagel. Asturien hat ihm den Abschied versüßt, er hat Asturien ein letztes Mal verzaubert.
