Nagelsmann zieht sané zurück – doch das versprechen bleibt brüchig

Julian Nagelsmann schiebt Leroy Sané am Freitagabend durch die Hintertür wieder in die Nationalelf – und liefert sich dabei selbst ein Geständnis ab, das weit über ein übliches Lob hinausreicht.

„Wir wissen nie, was kommt“ – der bundestrainer erklärt sich machtlos

„So ehrlich sind wir: Wir wissen bei ihm nie zu 100 Prozent, was am Ende auf den Platz kommt.“ Mit diesem Satz wandelt Nagelsmann im kicker-Interview auf dem schmalen Grat zwischen Vertrauen und Vorbehalt. Nach zweimaliger Nicht-Nominierung in der WM-Qualifikation schlägt der 29-Jährige beim 6:0 gegen die Slowakei doppelt zu, legt zwei weitere Tore auf – und zwingt den Bundestrainer damit buchstäblich in die Knie. Denn der eigentliche Plan war ein anderer: Sanés Auftritt in der Türkei sollte als Lehrstück dienen, nicht als Eintrittskarte.

Die Begründung für die Züchtigung im August klang seinerzeit hart: Die Süper Lig sei sportlich nur Mittelmaß. Nagelsmann bestätigt nun, dass er das Gespräch mit Sané vorab angekündigt hatte – öffentliche Kritik inklusive. „Manchmal antworte ich auf Fragen, was ich gerade denke. Dann gibt es Dinge, die höhere Wellen schlagen.“ Ein Satz, der belegt: Der Coach spielt mit offenen Karten, auch wenn sie ihm selbst zerschnitten werden können.

Sané nimmt die demütigung als treibstoff

Sané nimmt die demütigung als treibstoff

Dreimal in der Saison schon war Sané nicht dabei. Statt zu lamentieren, schraubt er sich für das Testspiel-Doppel gegen die Schweiz und Ghana in den turbo-Modus. „Ich bin bereit, jede Rolle anzunehmen, die mich und die Mannschaft weiterbringt.“ Keine Forderung nach Startelf, kein Gestammel über mangelndes Standing – einfach nur die nüchterne Erkenntnis: Turniere entscheiden sich über 23, nicht elf Köpfe. Für einen Spieler, der einst mit Tempo-Dribblings und Instagram-Storys glänzte, wirkt diese Reife wie ein neues Paar Stollen: altbekannt, aber plötzlich mit besserem Halt.

Die Zahlen sprechen für sich: Zwei Tore, zwei Assists in 67 Minuten gegen die Slowakei. Dazu die meisten Ballkontakte im gegnerischen Sechzehner aller deutschen Akteure. Die Botschaft: Er kann nicht nur flanken, er kann zwingen. Und genau das fehlt der DFB-Elf seit Monaten – ein Rechtsfuß, der bereit ist, ins Zentrum zu stechen, statt nur nach außen zu wedeln.

Die frist läuft – und mit ihr der geduldsfaden

Nagelsmann hat die Tür aufgerissen, doch er wird sie nicht endlos offenhalten. Mit Florian Wirtz, Jamal Musiala und Karim Adeyemi buhlen drei weitere Flügelspieler um Startplätze. Wer in Basel und Stuttgart glänzt, reist im Sommer nach Nordamerika. Wer patzt, fliegt – womöglich für immer. Die Aussage „wenn die Gesundheit mitspielt“ klingt da fast wie ein juristischer Vorbehalt: Sanés Verletzungsanfälligkeit ist sein größter Gegner, nicht der taktische Plan.

Für die TSV Pelkum Sportwelt bleibt ein Fazit: Sanés Comeback ist kein Geschenk, sondern ein Werkvertrag auf Probe. Die Kündigungsfrist: 90 Minuten pro Testspiel. Packt er sie, fliegt er nicht nur nach Kanada – er fliegt dort auch auf. Verpasst er sie, bleibt die Nationalelf ein Ort, an dem er nie wirklich angekommen ist. Die Uhr tickt. Die Bälle rollen. Und Nagelsmann wartet – mit offenem, aber nicht ewigem Vertrauen.