Nagelsmann zieht die daumenschrauben an: wm-kader wird dünner, träume platzen

Julian Nagelsmann hat die Wahrheit auf den Tisch gelegt: Von den 28 Probanden des März-Lehrgangs bleibt nur ein Häufchen Elend übrig, das am 12. Mai Jubel oder Tränen erleben wird. Die Siege gegen die Schweiz (4:3) und Ghana (2:1) waren bloß ein Probeschlag – jetzt kommt der Schnitt.

Torhüter-drama: ter stegen braucht ein wunder

Oliver Baumann und Alexander Nübel haben ihre Koffer schon halb gepackt, ihre Tickets nach Nordamerika liegen bereit. Dahinter räumen Jonas Urbig und Finn Dahmen das Feld: Der eine (Ubig, 21) ist Bayern-Nachwuchs, der andere (Dahmen, 26) Mainz-Ersatz – beide wissen: Ein Patzer bis Saisonende, und die WM-Illusion zerplatzt wie ein Seifenblasenpark. Marc-André ter Stegen? Der muss auf medizinisches Lotto hoffen. Knie, Reha, Terminkalender – alles arbeitet gegen ihn.

Abwehr-bollwerk mit rissen

Abwehr-bollwerk mit rissen

Kimmich, Tah, Schlotterbeck, Rüdiger, Raum – fest wie Beton. Doch dahinter wird’s eng. Waldemar Anton und Malick Thiaw haben sich mit Grind und Zweikampfquoten ins Gespräch gebracht, Nathaniel Brown wirbt mit Tempo-Dribblings. Der Posten „Kimmich-Backup“ ist offen: Josha Vagnoman lieferte keine Argumente, Ridle Baku und Benjamin Henrichs schielen nach Leipzig-Bestleistungen. Matthias Ginter, Yann Aurel Bisseck, Maximilian Mittelstädt und Robin Koch? Sie dürfen Urlaub buchen – früher als gedacht.

Mittelfeld-zange: pavlovic fest, rest fraglich

Mittelfeld-zange: pavlovic fest, rest fraglich

Aleksandar Pavlovic ist Nagelsmanns neue Festung, Leon Goretzka dessen Schlosshund. Felix Nmecha humpelt mit der Uhr im Nacken, Angelo Stiller durfte zweimal von Anfang an – ein Test mit Ausrufezeichen. Pascal Groß und Anton Stach wittern ihre Chance, Nadiem Amiri muss erst einmal Kilometer sammeln, Robert Andrich liefert in Leverkusen nur noch Schatten-Renditen. Tom Bischof? Netter Talk, aber „mehr Rhythmus und Erfahrung“ lautet das Urteil – Code für: Ab in die Tribüne.

Offensive: musiala wird zur geduldsprobe

Offensive: musiala wird zur geduldsprobe

Jamal Musiala ist Nagelsmanns größtes Puzzle: kein Form-Fragezeichen, sondern ein Medizin-Zeichen. „Erst fit werden, dann reden wir“, sagt der Bundestrainer – verschlossen, wie ein Trainer, der sein Pokergesicht nicht verlieren will. Kai Havertz, Florian Wirtz, Serge Gnabry, Leroy Sané, Nick Woltemade und Deniz Undav dürfen Sommerkleidung kaufen. Adeyemi, Beier, Schade – Nagelsmann will „nur einen, maximal zwei“. Schade kam, sah, spielte nicht – System schlägt Tempo. Jamie Leweling und Chris Führich hoffen, doch Lennart Karl hat mit zwei starken Halbzeiten die Nase vorn. Said El Mala darf warten, Assan Ouédraogo und Tim Kleindienst sind verletzt raus, Jonathan Burkardt braucht einen Torreigen im April, sonst bleibt der Koffer zu. Niclas Füllkrug? eher ein Abschiedskaffee.

Am 12. Mai schlägt die Stunde der Wahrheit. Dann fallen nicht nur Namen, sondern auch Träume – und Nagelsmann weiß: Kein Sieg der Vorbereitung zählt mehr, nur die 23, die am 11. Juni in den Flieger nach Amerika steigen. Die Uhr tickt. Die Daumenschrauben sitzen.