Nagelsmann zeigt seine wm-elf – fast

Basel, Freitagnacht, 20:45 Uhr. Und Julian Nagelsmann hat eigentlich keine Zeit für große Experimente. Gegen die Schweiz wird der Bundestrainer trotz eines Verletzungschaos, das ihm gleich mehrere Schlüsselspieler weggerissen hat, bereits acht oder neun Positionen besetzen, die er sich für die WM im Sommer fest vorgestellt hat. Das ist kein Testspiel im klassischen Sinne. Das ist eine Generalprobe mit echten Konsequenzen.

Das gerüst steht – aber eine lücke klafft hinten

Oliver Baumann hütet das Tor. Solange Marc-André ter Stegen kein Wunder vollbringt und seinen Körper in Rekordzeit zusammenflickt, ist das keine Diskussion mehr. Baumann spielt. In Basel. Und im Sommer in den USA oder wo auch immer die WM-Spiele stattfinden werden.

Die Außenpositionen in der Abwehr sind ebenfalls gesetzt: Joshua Kimmich rechts, David Raum links. Kimmich, der eigentlich auf der Sechs am liebsten gesehen wird, nimmt die Kapitänsbinde und rückt nach hinten – weil die Not auf der Doppelsechs zu groß ist. Das sagt viel über den aktuellen Zustand des deutschen Kaders aus.

Innen neben Nico Schlotterbeck ist noch offen. Jonathan Tah oder Antonio Rüdiger – Nagelsmann muss sich entscheiden, und diese Entscheidung könnte die Grundstruktur der Defensive für Monate festlegen. Rüdiger bringt Erfahrung und Körper, Tah Spielaufbau und Ruhe. Beides hat seinen Preis.

Goretzka und stiller im mittelfeld – einer davon nur auf zeit

Goretzka und stiller im mittelfeld – einer davon nur auf zeit

Leon Goretzka spielt auf der Sechs. Wahrscheinlich neben Angelo Stiller, dem Stuttgarter, der diese Aufgabe mit Sorgfalt erfüllen wird – aber wohl weiß, dass er nur deshalb hier ist, weil Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha verletzt absagten. Platzhalter ist ein hartes Wort. Aber es trifft die Realität.

Sobald Pavlovic oder Nmecha fit sind, wird Stiller wieder um seinen Platz kämpfen müssen. So funktioniert das Geschäft.

Wirtz, havertz, gnabry – und undav ganz vorne

Wirtz, havertz, gnabry – und undav ganz vorne

In der Offensive gibt es kaum Zweifel. Florian Wirtz und Kai Havertz sind gesetzt. Punkt. Die Frage ist nur, wer die dritte Stelle in der offensiven Dreierreihe füllt, solange Jamal Musiala fehlt. Serge Gnabry ist der wahrscheinlichste Kandidat – ein Spieler, der in seiner Karriere schon oft für andere eingesprungen ist und dabei selten enttäuscht hat.

Ganz vorne: Deniz Undav. Der Stuttgarter bekommt die Chance, sich für den WM-Kader zu empfehlen. Sechs Länderspiele hat er bislang. Gegen die Schweiz könnte er zeigen, ob er im Sommer wirklich eine Rolle spielen soll.

Die voraussichtliche aufstellung im überblick

Die voraussichtliche aufstellung im überblick

Schweiz: Kobel – Widmer, Akanji, Elvedi, Rodriguez – Sow, Xhaka, Aebischer – Manzambi, Embolo, Vargas. Trainer: Murat Yakin.

Deutschland: Baumann – Kimmich, Rüdiger, Schlotterbeck, Raum – Goretzka, Stiller – Gnabry, Havertz, Wirtz – Undav. Trainer: Julian Nagelsmann.

Anpfiff in Basel ist um 20:45 Uhr, übertragen live bei RTL. Nagelsmann hat seine Hausaufgaben gemacht – so gut es geht. Der Rest liegt auf dem Platz.