Nagelsmann wirft sané den wm-rettungsring – und behält sich die falltür offen

Julian Nagelsmann hat Leroy Sané am Freitagabend mit dem linken Arm umarmt und mit der rechten Hand eine Absage parat. Der Bundestrainer nominiert den 30-jährigen Flügelstürmer für die Testspiele gegen die Schweiz und Ghana, mahnt aber: „Wir wissen bei ihm nie zu 100 Prozent, was am Ende auf den Platz kommt.“

Sanés letzte wm-dance: tempo, torinstinkt – und eine rote karte im nacken

Sanés letzte wm-dance: tempo, torinstinkt – und eine rote karte im nacken

Die Rechnung ist schnell gemacht: Seit November hat Sané in drei Länderspielen drei Tore und zwei Assists verbucht. Die Botschaft nach dem 6:0 gegen die Slowakei war eindeutig – er kann, er darf, er muss liefern. Doch der Drahtseilakt bleibt. Nagelsmann schwärmt von einem „super Verhältnis“, nennt Sané „Wundertüte“ und verlangt Gesundheit, Konstanz, Defensivarbeit. Kurz: Alles, was der Ex-Münchner in der Bundesliga nicht immer ablieferte.

In Istanbul schwankt Galatasaray zwischen Jubel und Juckreiz. Sané traf im Stadtderby, flog danach erstmals mit Rot vom Platz. Die Statistik lautet: fünf Tore, zwei Platzverweise, 1.167 Minuten seit Mitte Januar. Die Türkei feiert seine Tore, die Liga vermisst seine Ruhe. Für Nagelsmann zählt nur die Balance – und die liegt bei genau 72 Länderspieleinsätzen, 13 Treffern, aber nur einem einzigen Turnier-Tor (EM 2021).

Die WM-Kader-Liste wird am 1. Juni fixiert. Dann müssen 26 Namen auf dem Formular stehen, USA, Kanada, Mexiko warten. Nagelsmann testet parallel zwei 19-jährige Flügelkracher aus Hoffenheim und Bremen. Sané ist erfahren, aber nicht unangreifbar. Die Aussage „wenn die Gesundheit mitspielt“ klingt wie ein Seil um den Hals – und wie ein Fallschirm zugleich.

Die Karte für Sané heißt: Risiko und Rendite. Gelingt ihm gegen die Schweiz ein Auftritt wie damals gegen die Slowakei, bucht er sich die Business-Class in Richtung Dallas. Patzt er, rückt der nächste Jungstar nach. Die Uhr tickt. Noch 94 Tage bis zur Eröffnung in Mexiko-Stadt. Sané kennt die Druckmaschine, er hat sie selbst gebaut. Jetzt muss er liefern – oder für immer zur Kategorie „fast hätte es gereicht“ wandern.