Nagelsmann schlägt zurück: stach und vagnoman raus, karl und urbig rein

Julian Nagelsmann schickt ein Signal. Kein sanftes, sondern eins, das durch die Kabine zischt: Jeder, wirklich jeder, kann fallen. Mit Anton Stach und Josha Vagnoman holt er zwei Spieler zurück, die viele bereits abgeschrieben hatten. Mit Lennart Karl und Jonas Urbig mischt er zwei Bayern-Junioren unter die Großen. Und mit dem Weglassen von Niclas Füllkrug, Karim Adeyemi und Angelo Stiller zieht er eine klare Grenze: Form zählt, der Name nicht.

Die rückkehrer und die frischzellen

Stach saß seit November 2022 in der Warteschleife – 16 Monate ohne Länderspiel, dafür mit Abrissarbeit in der Championship. Vagnoman war sogar nur ein einziges Mal dabei, im März 2023 gegen Peru. Beide mussten sich gedulden, bis Nagelsmann ihre Belastungskurven analysiert hatte. Nun sind sie drin, weil sie physisch liefern, was das Turnier in den USA verlangt: Laufmeter, Zweikampfquote, Schnittstellen-Sicherheit. Pascal Groß ist die andere Seite der Medaille: 33 Jahre jung, Premier-League-Dauerbrenner, erstmals überhaupt nominiert – weil seine 83 % Passgenauigkeit Brighton in die Europa-League-Runde der letzten Acht schoss.

Die Debütanten Karl und Urbig wiederum stehen stellvertretend für den Anspruch, den Nagelsmann seit seinem Amtsantritt predigt: Spiele, die den Charakter hämmern. Karl riss beim 3:2 gegen Manchester United in der Youth League zwei Gegenspieler nieder, bevor er das 2:2 vorbereitete. Urbig hielt beim 4:0 gegen Köln zwei Großchancen mit dem linken Fuß – genau die Art von Coolness, die Manuel Neuer einst groß machte.

Musiala fehlt – und das ist kein zufall

Musiala fehlt – und das ist kein zufall

Jamal Musiala bleibt zu Hause, weil sein Sprunggelenk nach dem Comeback gegen Lazio erneut anschwillt. Die medizinische Abteilung des DFB spricht von „Reizreaktionen“, intern heißt es: Risiko größer als Nutzen. Die Entscheidung fiel im Dreiergespräch zwischen Nagelsmann, Musiala und Bayern-Chefmediziner Dr. Roland Schmidt. Der Bundestrainer will ihn in Winston-Salem, nicht in Basel. Deshalb testet er nun Alternativen: Wirtz als Zehner, Sané als halblinks, Undav als falscher Neun. Alle drei haben zwischen Februar und März ihre Output-Kurve nach oben geschraubt.

Die Zahl, die Nagelsmann beschäftigt: 26. Genau so viele Spieler darf er Anfang Juni bei der FIFA melden. Er wird voraussichtlich 30 berufen, dann Stufe für Stufe reduzieren. Die erste Streichliste liegt bereits: Füllkrug, Adeyemi, Stiller, El Mala. Die zweite folgt nach dem Ghana-Spiel. Wer dann noch dabei ist, fliegt nach North Carolina – in ein Trainingslager, das längst als „Camp Nagel“ intern gehandelt wird. Denn der Bundestrainer baut nicht nur einen Kader, er baut Druck. Und der fängt schon in Herzogenaurach an, wo am Montag die Pulsmesser ticken.