Nagelsmann nagelt vagnoman an: „das 1:1 fressen wir so nicht“
Ein Sieg, der keine Ruhe bringt. Deutschlands 2:1 gegen Ghana wirft mehr Fragen auf als es beantwortet – und lässt Julian Nagelsmann erstmals öffentlich einen Spieler beim Namen kritisieren.
„Freestyle-fußball“ nach minuten 25
25 Minuten lang drehte die DFB-Elf Ghana am Montagabend in Stuttgart wie auf dem Lehrfilm durch. Dann kam der Bruch. „Wir haben die Positionen nicht mehr gut besetzt, hatten wieder sehr viel Freestyle, wie in der Schweiz“, sagte Nagelsmann mit sichtlichem Ekel. Die Folge: Konter, Unordnung, das 1:1. „Gezittert haben wir nicht, aber klar, das 1:1 dürfen wir so nicht fressen.“
Der Übeltäter hieß Josha Vagnoman. Der Stuttgarter ging laut Nagelsmann „voll auf die Balleroberung“, statt abzulaufen. Die Kette riss, die Manndeckung im Strafraum löste sich auf. Ghana durfte einköpfen. „Da muss er einfach versuchen, abzulaufen“, so der Bundestrainer – ein Satz, der in der Kabine hallt.
Die Statistik liefert ihm recht: Nach der 25. Minute fielen nur noch zwei deutsche Torschüsse, dafür vier ghanesische. Die xG-Kurve kippt. „In meinen Augen haben wir besser gespielt als gegen die Schweiz, auch wenn wir weniger Tore gemacht haben“, sagt Nagelsmann – ein Satz, der wie ein Schulterklopfen klingt, aber die Faust in der Tasche trägt.

Nächster halt: ecuador-scouting statt sommerloch
Während die Spieler Duschen und Medienrunden drehen, sitzt Nagelsmann schon wieder vor dem Laptop. Um 20:45 Uhr am Dienstag rollt in Amsterdam der Ball: Ecuador tritt in den Niederlanden an – Deutschmanns Gruppengegner bei der WM. „An der Idee wird sich nicht mehr so, so viel ändern“, sagt er, doch die finale 23er-Liste ist noch nicht besiegelt. „Wir müssen viele Gespräche führen und finale Entscheidungen treffen.“
Der Countdown läuft: 85 Tage bis zur WM. Ein Sieg gegen Ghana reicht nicht, wenn die Defensive nach einer Viertelstunde den Stecker zieht. Nagelsmann hat den nächsten Spieler am Haken – und keine Zeit mehr für Freestyle.
