Nagelsmann hat die wm-elf schon im kopf: kein platz mehr für überraschungen

Julian Nagelsmann lacht nicht oft in Interviews, aber als er nach dem 2:1 gegen Ghana gefragt wurde, ob Deniz Undav jetzt doch in die Startelf rutschen könnte, musste er grinsen. „Seine Rolle ist klar“, sagte der Bundestrainer und wischte damit die Debatte vom Tisch, bevor sie richtig losging.

Stuttgart war der letzte tag der offenen fragen

Die Testspiele gegen die Schweiz und Ghana waren kein Auf und Ab, sondern eine Bestätigung. Wer erwartet hatte, dass Nagelsmann nach dem 4:3 gegen die Eidgenossen noch einmal umstellt, sah sich getäuscht. Die Personalie Undav ist nur ein Beispiel. Auch Alexander Nübel weiß, dass er hinter Marc-André ter Stegen der zweite Torhüter bleibt. Joshua Kimmich wird rechts verteidigen, Leon Goretzka als vorgeschobener Sechser neben Aleksandar Pavlović agieren. Jamal Musiala spielt, wenn fit, links im offensiven Mittelfeld. Die Grundordnung steht.

Die Ruhe ist kein Zufall. Nagelsmann hat die berühmten Rollengespräche geführt, bevor die Länderspielpause begann. Jeder Spieler wusste vor dem Anpfiff in Stuttgart, was auf ihm zukommt. Das schützt vor internen Kleinkriegen und vor dem Gefühl, sich auf den letzten Metern noch beweisen zu müssen. Die Konkurrenzsituation bleibt, aber sie ist kalkulierbar geworden.

Pfiffe gegen sané? ein kurzes ablenkungsmanöver

Pfiffe gegen sané? ein kurzes ablenkungsmanöver

Leroy Sané wurde in der Schweiz ausgepfiffen, weil er zwei Mal den Ball verschenkte und ein Tor verpasste. Dann lieferte er gegen Ghana die Vorlage zum Siegtreffer. Die Kurve ist typisch für ihn: Er kann in 90 Minuten beides sein – Spielverderber und Matchwinner. Nagelsmann hat das kalkuliert. Er wird Sané nicht opfern, nur weil ein Stadion kurz pfeift. Die Entscheidung steht, und sie lautet: Musiala links, Sané rechts, Havertz in der Mitte. Werner und Undav warten auf ihren Einsatz vom Rand her.

Die letzten sechs wochen werden lautlos

Die letzten sechs wochen werden lautlos

Die WM beginnt für Deutschland am 14. Juni gegen Curaçao. Bis dahen gibt es noch ein Trainingslager in South Tyrol und ein letztes Testspiel gegen Costa Rica. Doch wer jetzt noch glaubt, dass Nagelsmann seine Startelf neu erfindet, unterschätzt die Konsequenz des 37-Jährigen. Er hat die Mannschaft nicht nach Potenzial, sondern nach Rollenklarheit zusammengestellt. Das kostet Spektakel, spart aber Energie. Die Spieler wissen, was sie zu tun haben. Und das ist in einem Turnierjahr mehr wert als jede taktische Überraschung.

Die deutsche Nationalmannschaft fährt zur WM ohne den Pomp der Vergangenheit. Kein Kahn-Lehmann-Streit, kein Gomez-Klose-Duell, keine Lahm-Schweinsteiger-Debatte. Stattdessen gibt es ein festgezurrtes Raster, in das sich jeder einfügt. Das ist neu – und es ist Nagelsmanns größter Trumpf.