Nadal feuert real madrid: „derby-sieg lässt titeltraum lebendig“

Rafael Nadal sitzt nicht einfach nur im Palco del Santiago Bernabéu – der Mallorquiner schickt sich an, die nächste Meisterfeier schon mal mental einzuüben. „Wir müssen gewinnen, um weiterhin alle Trümpfe in der Hand zu behalten“, sagt der Ehrenpräsident der Real Madrid vor dem Stadtduell gegen Atlético, und man spürt: Für ihn ist dieses 90-Minuten-Stückchen LaLiga schon Halbfinale.

Derby als ventil nach dem city-exzess

Zwei Siege gegen Manchester City haben die Blancos nicht nur ins Viertelfinale der ChampionsLeague katapultiert, sie haben vor allem die Selbstzweifel zerstört, die nach der Hinspiel-Niederlage schwirrten. „Wir sind gestärkt rausgekommen“, bestätigt Nadal, der die Aufholjagd in der Manchester-Nacht live in der Kabine miterlebte. „Zwei Siege hintereinander gegen diesen Gegner – das verändert die Chemie im Kader für den Rest der Saison.“

Das Stadion ist schon zwei Stunden vor Anpfiff ein brodelnder Vulkan, und Nadal bewegt sich wie ein Pathologe durch die Menge: kurzer Händedruck hier, ein Nicken dort. Er trägt das offizielle Polo in Weiß, aber die Kappe sitzt tief im Nacken – so als wolle er sich selbst nicht als Maskottchen missbrauchen lassen. Dabei ist er genau das heute: Symbol für eine Mannschaft, die wieder lernt, Schmerz in Energie umzumünzen.

Alcaraz? „ein jahr, das fast schon ein jahrzehnt wert ist“

Alcaraz? „ein jahr, das fast schon ein jahrzehnt wert ist“

Natürlich lässt man Nadal nicht los, ohne ihn über den anderen spanischen Superhelden zu befragen. Carlos Alcaraz dominiert in Miami, und der 22-fache Grand-Slam-Champion nickt anerkennend. „Er hat sich in zwölf Monaten einen Kompressionsraum geschaffen, für den andere fünf Jahre brauchen“, sagt Nadal. „Intensität, Schlagwahl, Nervenkontrolle – alles auf Stufe zehn, und das schon seit drei Turniersiegen am Stück.“

Die Parallele liegt auf der Hand: Auch Nadal war einst der junge Mann, der mit 18 die etablierte Ordnung zertrümmerte. „Er muss nur aufpassen, dass er sich selbst nicht zur Legende erklärt, bevor er es ist“, warnt der Routinier mit einem Lächeln, das halb Stolz, halb Ehrfurcht ist.

Als das Spiel anpfiff, stand Nadal nicht mehr vor Kameras. Er saß zwischen zwei Ultra-Blocks, die „Hala Madrid“ brüllten, als ginge es um die Quadratur des Kreises. Und vielleicht tut es das ja auch – für eine Saison, die nach dem City-Drama endlich wieder nach einem Happy End riecht.