Nach dem glanz: immer mehr athleten kämpfen mit depressionen nach olympia

Olympia und die schattenseite des erfolgs

Für viele Athleten beginnt der schwierigste Kampf erst, nachdem die Goldmedaille gewonnen ist. Immer mehr Sportstars sprechen offen über die sogenannte post-olympische Depression – ein emotionales Tief, das auf das Großereignis folgt. Die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina haben dieses Problem wieder in den Fokus gerückt.

Lisa buckwitz: vom gipfel in die tiefe

Lisa buckwitz: vom gipfel in die tiefe

Die deutsche Bob-Sportlerin Lisa Buckwitz erlebte nach ihrem Triumph in Pyeongchang 2018 einen tiefen Fall. "Du stehst dann da und es ist nichts wie es vorher war. Deshalb bin ich auch in diese post-olympische Depression verfallen", erklärte sie kürzlich in einer ZDF-Doku. Diese Erfahrung zeigt, wie plötzlich und unerwartet diese depressive Phase eintreten kann.

Laura gimmler: vorbeugung ist besser als nachsorge

Auch nach den Winterspielen in Mailand und Cortina ist die Gefahr groß. Langläuferin Laura Gimmler, Bronze-Medaillengewinnerin im Teamsprint, betont die Bedeutung der Vorbereitung auf die Zeit nach Olympia: "Ich denke, es ist wichtig, dass man nicht nur bis Olympia denkt und da voll drauf hinarbeitet und alles andere vergisst". Eine ganzheitliche Perspektive ist entscheidend.

Was ist die post-olympische depression?

Sportpsychologe Dr. Moritz Anderten beschreibt die post-olympische Depression als einen "massiven emotionalen Erschöpfungszustand". Oft tritt dieser Zustand ein, wenn große Erfolge erreicht wurden und sich die Frage nach dem nächsten Ziel stellt: "Was ist jetzt noch das nächste Ziel?" Diese existenzielle Frage kann zu einem Gefühl der Leere führen.

Keine offizielle diagnose, aber ein wachsendes problem

Obwohl es sich (bislang) nicht um eine offizielle Diagnose handelt, thematisieren immer mehr Athleten offen dieses Phänomen. Anna-Maria Wagner (Judo), Ricarda Funk (Slalom-Kanu), Jessica von Bredow-Werndl (Dressur) und Lisa Buckwitz haben nach ihren größten Erfolgen lange mit sich gekämpft. Buckwitz berichtete von drei Monaten ohne Training und Antriebslosigkeit.

Die rolle der erwartungen

Es spielt keine Rolle, ob ein Athlet eine Medaille gewinnt oder im Mittelfeld landet. Die Bewertung hängt stark von der eigenen Erwartungshaltung ab – und vor allem von der realistischen Selbsteinschätzung. Manche Athleten sind bereits glücklich, sich qualifiziert zu haben. Studien deuten darauf hin, dass bis zu 30 bis 40 Prozent der Teilnehmer Symptome einer post-olympischen Depression erleben.

Prävention und unterstützung sind entscheidend

Die Sichtbarkeit des Themas wächst, was positiv ist, da es zeigt, dass auch Spitzensportler Menschen sind und keine Maschinen. Dr. Anderten wirbt für Prävention: In der Vorbereitung sollten Athleten auch darüber sprechen, was nach den Spielen passieren könnte. Ein stabiles soziales Umfeld ist wichtig, ebenso wie bewusst Zeit für Dinge zu nehmen, die im Leistungssport oft zu kurz kommen.

Kritik am deutschen leistungssport

Ein Problem im deutschen Leistungssport ist, dass sportpsychologische Unterstützung oft vom Erfolg abhängig gemacht wird. "Das ist ein sehr gefährliches Spiel!" betont Dr. Anderten. Der deutsche Sport müsse sich grundsätzlich fragen, welchen Stellenwert der Leistungssport insgesamt hat, denn dazu gehört auch und vor allem die mentale Gesundheit.