Nach dem abstieg: beltz stellt deutsches team auf null - lys führt anfang 26 in portugal
Torben Beltz wirft hin. Nach dem Desaster im Billie Jean King Cup verzichtet der neue deutsche Teamchef komplett auf erfahrene Kräfte und setzt auf vier Spielerinnen, die zusammen noch keine 70 Fed-Cup-Matches gespielt haben. Angeführt wird das Aufgebot von Eva Lys, die mit gerade einmal 20 Jahren die Altersstruktur noch weiter nach unten drückt.
Der schnitt durch die personalie
Laura Siegemund und Tatjana Maria bleiben zu Hause. Die Wimbledon-Viertelfinalistin von 2023 und die Queen's-Siegerin sind raus. Stattdessen heißt es jetzt: Ella Seidel, Tessa Brockmann und Noma Noha Akugue bilden gemeinsam mit Lys das Quartett, das vom 7. bis 11. April in Oeiras gegen Dänemark, Portugal und Schweden spielt. Die Message ist klar: Beltz baut um - und er baut schnell.
Der 47-jährige, seit Ende 2024 Bundestrainer und seit Februar auch offiziell Kapitän im BJK-Cup, erklärt den radikalen Schnitt so: „Wir haben ein junges und schlagkräftiges Team zusammengestellt, mit dem wir den Wiederaufstieg angehen wollen. Der Fokus lag nicht auf den Begegnungen in Portugal, sondern auf einem längerfristigen Prozess.“ Die Sprache des Trainers klingt dabei nicht nach Schnellschuss, sondern nach Strategie. Deutschland will sich neu erfinden - und das auf dem zweithöchsten europäischen Niveau.

Die zahlen hinter dem neuanfang
Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: In der Neuauflage der Europa/Afrika-Zone I fehlt jede Spielerin mit mehr als drei Jahren Fed-Cup-Erfahrung. Der jüngste deutsche BJK-Cup-Kader der Geschichte muss als Gruppensieger nach Hause fahren, um sich eines von drei Play-off-Tickets für den Herbst zu sichern. Die Konkurrenz ist tough: Gastgeber Portugal bringt Francisca Jorge und Matilde Jorge, Schweden setzt auf die topgesetzte Rebecca Peterson. Dänemark wiederum kann auf Clara Tauson bauen - eine Gegnerin, die Lys & Co. alles abverlangen wird.
Für den DTB ist der Einsatz ein Poker. Verzichtet man auf Siegemund und Maria, verliert man automatisch Matchpractice und mentale Robustheit. Gewinnt man hingegen mit dem neuen Kern, entsteht ein Fundus für die nächsten zehn Jahre. Die Entscheidung fiel offenbar bereits vor Wochen, lange vor den aktuellen Frühjahrs-Niederlagen etablierter Spieler in Indian Wells. Beltz agiert damit nicht als Reaktion auf Formtiefs, sondern als Vordenker eines Generationswechsels, den er seit Jahren im Damen-Tennis der Bundesrepublik fordert.
Die stimmung im lager
Intern herrscht Aufbruchstimmung. Lys, zuletzt in Austin überraschend im Viertelfinale, gilt als kühle Taktikerin auf dem Platz. Seidel hat in der WTA-Tour bereits Top-100-Erfahrung gesammelt, Akugue ist mit ihrer Power ein Geheimtipp, Brockmann liefert als Linkshänderin Variation. Zusammen ergeben sie ein Korsett voller unterschiedlicher Spielprofile - und genau das will Beltz: keine Einheits-Kost, sondern ein Puzzle, das sich in Portugal zusammenfügt. Die Vorbereitung startet bereits am Montag in Grünwald, wo man auf Rot-Set trainiert - identisch mit den Plätzen in Oeiras.
Die Fans reagieren gemischt. Auf Social Media feiern viele den Mut, andere fragen sich, ob Erfahrung nicht doch Trumpf sein könnte in engen Doppel-Matches oder nach Mitternacht, wenn Nerven flattern. Beltz bleibt hart: „Wir wollen Spielerinnen an die Nationalmannschaft heranführen, die Deutschland auch in den nächsten Jahren vertreten werden.“ Damit ist klar: Wer jetzt liefert, darf sich auf eine längere Perspektive einstellen. Wer patzt, muss hinten anstellen.
Der countdown läuft
Noch 27 Tage bis zum Auftakt gegen Dänemark. Die DTB-Damen reisen ohne eigene Crowd, dafür mit maximalem Druck. Ein Gruppensieg ist Pflicht, die Play-offs das Minimalziel. Scheitert das Projekt, dürfte die Debatte über Beltz' Kurs laut werden. Gelingt der Aufstieg, schreibt der Verband ein neues Kapitel - und vier junge Spielerinnen ihre erste große Cup-Geschichte. Um 18:37 Uhr Ortszeit in Oeiras wird der Ball aufschlagen. Deutschland wartet, ob das Experiment zündet. Die Antwort bekommt man spätestens am 11. April, wenn entweder Jubel oder Enttäuschung durch die Algarve hallt.
