Nach 90 minuten schon geschichte: pereira sampaio räumt wm-kanzel ab

Das Turnier läuft noch keine Stunde, da steht bereits fest: Der Brasilianer Wilton Pereira Sampaio hat sich selbst aus dem Spiel genommen. Drei rote Karten im Eröffnungsspiel, ein gestolperter VAR-Text, ein Rekord – und ein Schiedsrichter, dem die Luft ausgeht.

Der moment, als die stimme versagte

Die Szene war eigentlich routine: Zwane und Alvarado geraten aneinander, eine Hand landet im Gesicht. Pereira Sampaio läuft erst zur Seitenlinie, hört per Ohrstöpsel, was der VAR sieht, dreht sich zum Stadionmikrofon und beginnt zu sprechen. Doch statt klarer Sätze kommt nur ein Stockwerk aus Silben. „He checks… äh… violent conduct… the red card…“, stottert der 44-Jährige. Im King Fahd International Stadium herrscht betretenes Schweigen, weil niemand versteht, wen er rauswirft.

Patrick Ittrich, bis vor Kurzem selbst DFB-Schiri, sitzt bei MagentaTV und kratzt sich am Kopf. „Ab diesem Satz geht’s bergab“, sagt er. „Der Kollege weiß nicht, welche Wortfolge die Fifa vorgibt, und verheddert sich im Englischen. Das steckt man ihm als Rookie irgendwie nach, aber im Eröffnungsspiel?“

Ein rekord, der nach hinten losgeht

Ein rekord, der nach hinten losgeht

3:0 für Mexiko gegen Südafrika – das Ergebnis rückt hinter die Zahlenkulisse. Drei Platzverweise bedeuten neuen Bestwert bei einem WM-Auftakt. Die erste Gelb-Rot gegen Sithole war laut Ittrich „leicht nachvollziehbar“, die dritte gegen Montes „zwingend“. Nur die zweite, jene Unklarheit zwischen Zwane und Alvarado, bleibt ein Konstruktionsfehler. Der VAR rettete Pereira Sampaio vor einem fatalen Fehlentscheid, aber die Kommunikation zerstörte seine Autorität.

Die Fifa verlangt seit diesem Turnier, dass der Schiedsrichter die finale Entscheidung per Stadionmikrofon erklärt. Eine gute Idee – wenn man weiß, was man sagen soll. In Löwensberger Deutsch würde Ittrich es so formulieren: „Überprüft wurde, nach Sichtung der Bilder folgt Platzverweis.“ Drei Sätze, immer dieselbe Reihenfolge, keine Überraschungen. Pereira Sampaio hatte offenbar kein solches Skript.

Der mögliche nachruf auf eine wm-karriere

Der mögliche nachruf auf eine wm-karriere

Im Schiedsrichterquartier in Riad herrscht bereits Krisenmood. Die Ansetzer tagen heute Nacht, und Ittrich bringt es auf den Punkt: „Wenn du in Spiel eins den Rekord kassierst und dabei die Sprache verlässt, kannst du dich warm anziehen.“ Eine WM ohne weiteren Einsatz für Pereira Sampaio? „Wahrscheinlich“, sagt Ittrich trocken. „Aber wer weiß, vielleicht steht er schon morgen wieder im Training und übt englische Satzbausteine.“

Die Fifa schweigt bislang. Ein Sprecher verweist auf die übliche Bewertungsrunde am Montag. Bis dahin hat die WM längst das nächste Drama produziert. Für Wilton Pereira Sampaio aber bleibt nur die Erkenntnis: Ein Turnier kann man nicht pfeifen, wenn man die Worte nicht findet.