De la fuente räumt letzten fragezeichen aus – spanien kommt komplett
Keine Masken, keine geheimen Leiden, kein letzter Deut auf Drama. Luis de la Fuente trat in Puebla vor die Mikrofone und lieferte die Entwarnung, die jeder Madrider Sportjournalist seit Tagen erwartete: Alle 26 Weltmeister-Kandidaten sind einsatzbereit.
Das comeback des außenseiters
Victor Muñoz schloss heute Vormittag zum ersten Mal wieder das Mannschaftstraining ab. Fünf Minuten zuvor noch mit der Physio am Seitenrand, dann schnell drei Tempodribblings über die rechte Seite – und der Flügel von Osasuna war zurück im Rhythmus der Furia Roja. Kaum jemand hatte auf ihn gewettet: Muskelbündelriss Mitte Mai, Rezidiv im letzten Liga-Spiel gegen Espanyol, darauf Platz 26 auf de la Fuentes Liste. Die Logik lautete: Wenn die FIFA bis Sonntag 12.00 Uhr Ortszeit eine medizinische Bestätigung verlangt, haben wir noch 72 Stunden Spielraum.
Sie nutzten jede Minute. Spezialmediziner aus Barcelona flogen ein, das Trainingsgelände in Puebla wurde zur mobilen Reha-Klinik. Lamine Yamal und Nico Williams hatten sich tags zuvor bereits ohne Einschränkung in die Spielformen eingereiht. Muñoz fehlte nur noch. Jetzt ist auch er da.

Die deadline tickt laut
De la Fuente kann bis einschließlich Sonntagmittag (18.00 Uhr MESZ) bei verletzungsbedingtem Ausfall einen Feldspieler austauschen – ein Luxus, den nur Spanien und Frankreich nachweislich bislang in Anspruch nehmen wollten. Torhüter dürfen ohnehin jederzeit ersetzt werden. Die Botschaft des Trainers klang gestern fast schon herausfordernd: »Wir planen nicht mit Verlusten, wir planen mit 26 Stammkräften.«
Der Countdown läuft also nicht mehr für Muñoz, sondern für die Konkurrenz. Sein Tempo gegen Ende der Saison – 34,7 km/h Spitze im Sprint gegen Espanyol – hatte de la Fuente im März nach seiner ersten Nominierung elektrisiert. Diese Zahlen hat der Bundestrainer nicht vergessen.
Spanien reist mit einem vollzähligen Kader in die Endrunde. Wer jetzt noch fragt, ob das Risiko sich auszahlt, hat die letzten Trainingseinheiten nicht gesehen. Muñoz lachte heute, als er die letzte Staffel abstiefelte: »Ich bin nicht mehr der Patient,. Ich bin der Joker.« Die Uhr tickt – und dieser Joker hat noch 90 Minuten, um sich für den ersten Einsatz zu empfehlen.
