Münster feuert ende nach 0:6-debakel – abstiegsangst wird zur direktabreise
26 Punkte aus 26 Spielen, Platz 16, ein 0:6 in Dresden – das reicht. Preußen Münster trennt sich mit sofortiger Wirkung von Alexander Ende. Der Coach, erst im Sommer als Hoffnungsträger verpflichtet, muss gemeinsam mit Co-Trainer Zlatko Muhovic das Feld räumen. U23-Coach Kieran Schulze-Marmeling übernimmt am Sonntag gegen Magdeburg das Ruder.
„Langfristige spielidee“ war nur ein slogan
Ole Kittner, Geschäftsführer Sport, Strategie und Kommunikation, spricht von einer „konsequenten Entscheidung im Sinne des Klubs“. Die bittere Wahrheit: Die angekündigte Spielphilosophie funktionierte nur auf dem Papier. Auf dem Rasen fehlten Tempo, Kompaktheit und die berühmte zweite Verteidigungslinie. Nach der Winterpause holte Münster nur eines von 21 möglichen Punkten – das ist kein Formtief, das ist freier Fall.
Die Statistik ist gnadenlos: Sieben Trainerwechsel in dieser Saison, kein Klub stellte öfter den Betreuer ein. Die Liga schaut nach Münster, doch nicht aus Bewunderung. Die Rede ist von „strukturellen Problemen“, von „fehlender Identität“, von „Planlosigkeit“. Endes Versuch, junge Spieler aus der eigenen Akademie durchzubringen, scheiterte an fehlenden Ergebnissen. Die Fans skandierten zuletzt nicht mehr „Prussia forever“, sondern „Ende aus“.

Schulze-marmeling kriegt 90 minuten, den rest der saison und vielleicht die 3. liga
Der 34-jährige Übungsleiter der U23 steht vor der Herausforderung seines Lebens. Keine Profi-Erfahrung, dafür ein Kader voller Frustrierte. Seine erste Aufgabe: Magdeburg stoppen, das seit fünf Spielen ungeschlagen ist. Seine zweite Aufgabe: Die Kabine wieder vereinen, nachdem Ende offenbar einige Leistungsträger vor die Wahl „System oder Stammplatz“ gestellt hatte.
Der Rückstand auf den Relegationsplatz 15 beträgt zwei Punkte, die restliche Auswärtspartitur liest sich wie ein Horrorszenario: Hamburg, Kiel, Hertha. Die Heimspiele gegen Schalke und Hannover sind bereits verkauft – emotional, finanziell, sportlich. Verliert Münsten am Sonntag, könnte der Abstand auf fünf Punkte wachsen. Dann reicht selbst ein Sieg im letzten Spiel nicht mehr.
Die Leitungsebene um Präsident Christoph Strässer wettert gegen „Kurzfristigkeit im Fußball“. Doch genau diese Kurzfristigkeit haben sie selbst kultiviert. Drei Sportchefs in zwei Jahren, ein Duzend Teildienstleister im Scouting, ein Budget, das sich seit 2022 um 20 Prozent reduzierte. Wer so agiert, darf sich nicht wundern, wenn die Mannschaft irgendwann das Tempo nicht mehr mitgeht.
Am Hafen spricht man offen über „Plan B“. Er heißt 3. Liga, heißt reduzierte TV-Einnahmen, heißt Spieler mit Ausstiegsklauseln. Die Stadt, stolz auf ihre Westfalia-Tradition, diskutiert bereits über Rettungsschirme und Solidarfonds. Der Abstieg wäre nicht nur sportlich ein Desaster, er wäre ein Imageschaden, der sich in Millionen Euro messen lässt.
Für Ende bleibt die Erkenntnis: Manchmal reicht sogar ein Sommer, um sich in Münster zu verbrennen. Für den Klub bleibt die Erkenntnis: Wenn der Gegner Tore schießt wie ein Automat, nützt auch der beste PR-Slogan nichts. Die Saison ist nicht gerettet, sie beginnt erst jetzt – auf Zeit.
