Müller: warum fußball in italien eine religion ist – und meine frau mich schief ansieht

Der deutsche Fußball-Europameister von 1980, Hansi Müller, hat in einem Gespräch einige pikante Details über seine Zeit in Italien verraten. Während er in Dortmund im Fußballmuseum eine Ausstellung über deutsche Spieler im Ausland besuchte, offenbarte er, dass die italienische Fußballkultur ihm fremd geblieben ist.

Ein ungewöhnliches duett mit raoul casadei

Müller erinnerte sich an eine unerwartete Zusammenarbeit mit der italienischen Tanzband Raoul Casadei. „Das war vor meiner Zeit bei Inter. Ich wurde 1980 als bester junger Spieler Europas in Ravenna ausgezeichnet, und Casadei war bei der Feier dabei. Ich wurde für ein Duett engagiert, aber ich habe nur ein paar Sätze gesprochen, die anderen haben gesungen.“ Die Anekdote wurde im Spind der Inter-Mannschaft für viel Gelächter sorgen.

Seine Zeit bei Inter Mailand und Como war von Verletzungen und Missverständnissen geprägt, doch die italienische Fußballleidenschaft blieb in ihm haften. „Ich sehe viel Fußball, im Stadion und im Fernsehen. Meine Frau schaut mich oft verdutzt an, es ist schwer für sie zu verstehen.“

Como als überraschungsteam

Como als überraschungsteam

Aktuell verfolgt Müller die Entwicklung des Como Calcio mit großem Interesse. „Como ist eine große Überraschung. Ich habe gelitten, als sie in den unteren Ligen spielten, sie waren verschwunden. Jetzt machen sie unglaubliche Dinge, eine Mannschaft von großer Qualität, reif und selbstbewusst.“ Er lobt die wirtschaftlichen Investitionen, betont aber, dass Geld allein nicht zum Erfolg führt: „Es braucht harte Arbeit und Leidenschaft.“

Während er die hohen Erwartungen an Inter versteht, sieht er den Ausschluss aus der Champions League als Rückschlag. „Der Ausschluss gegen die Norweger war ein harter Schlag, der die Meisterschaft beeinflusst hat. Das Spiel gegen Rom war entscheidend, wir müssen sehen, ob es den Knoten gelöst hat.“

Die rolle von fabregas und chivu

Die rolle von fabregas und chivu

Müller äußerte sich auch zur Arbeit von Trainer Cesc Fabregas: „Nicht jeder große Spieler wird auch ein großartiger Trainer. Aber Fabregas kann seinen Job machen. Er ist reif, ich stelle mir ein gutes Verhältnis zu allen vor, zum Team, zum Verein und zur Umgebung.“

Er betont die Bedeutung von Gesprächen, insbesondere angesichts der Enttäuschung über die verpasste Weltmeisterschaft. „Der Fußball ist für euch eine Religion, für uns nur wichtig. Nach einer solchen Erfahrung braucht es Zeit, um sich zu erholen.“

Lautaro und das duo müller/beccalossi

Lautaro und das duo müller/beccalossi

Über Lautaro Martínez sagte Müller: „Er macht den Unterschied, nicht nur durch Tore und Technik, sondern auch durch sein Spielverständnis. Er antizipiert, er sieht, wo der Ball hinfällt – das erfordert eine hohe Intelligenz.“

Auch die vermeintliche Dopplung mit Gigi Beccalossi bei Inter wurde angesprochen. „Das war ein von außen kreiertes Duell. Wir waren beide linksfüssige Zehner, aber Gigi Radice setzte uns an unterschiedlichen Positionen ein. Wir haben uns gut verstanden, ohne Neid.“

Sein Como Calcio überlebte sensationell in der Serie A und kassierte lediglich zwei Gegentore zu Hause. „Wir waren ein eingespieltes Team, das kämpfte und bissig war. Wir haben uns am letzten Spieltag gegen Mailand gerettet.“

Schließlich träumt Müller von einem Duell zwischen Como und seinem Heimatverein Stuttgart in der Champions League – ein Fußballfest der besonderen Art.