Müller schlägt den nagel auf den kopf: die dfb-elf ist kein unbesiegbarer mehr

Die Klarheit tut weh. Thomas Müller packt die Lage der deutschen Nationalmannschaft in einen Satz: „Wir sind aktuell nicht in einer Phase, in der wir sagen: Uns kann keiner schlagen.“ Der 36-Jährige spricht nicht als außenstehender Kritiker, sondern als Weltmeister von 2014 und künftiger TV-Experte, der das Turnier am Bildschirm hautnah miterleben wird.

Müller sieht die kehrseite des wm-traums

Die Aussage trifft mitten ins Herz der Fans. Müller beschreibt ein Team, das an einem guten Tag jeden schlagen kann – aber eben auch an einem schlechten jedem unterliegen darf. Die Stabilität, die einst Markenzeichen deutscher Turnierteams war, fehlt. Das ist kein Pannenbericht, sondern eine Diagnose aus erster Hand.

Die Vorrundengruppe mit Côte d'Ivoire, Ecuador und Curacao klingt machbar. Doch gerade das ist der Haken: Die vermeintlichen Leichtgewichte haben nichts zu verlieren. Deutschland schon. Die Erwartungshaltung bleibt, der Selbstanspruch nicht. Wer in der Vergangenheit gegen Außenseiter patzte, schwamm schnell gegen den Strom.

Die favoritenliste ist lang – und deutschland steht nicht oben

Die favoritenliste ist lang – und deutschland steht nicht oben

Müller nennt Argentinien, Frankreich, England, Portugal. Kein Wort von Deutschland. Das ist bitter, aber ehrlich. Frankreich habe „keinen Generationenwechsel“ nötig, sondern einfach „aufgefrischt“, sagt er. Das klingt nach einem Seitenhieb auf die deutsche Baustelle, wo die Suche nach Identität und Leitfigur noch immer andauert.

Die gute Nachricht: „Die Option nach oben“ besteht. Solange die da ist, „können wir hoffnungsvoll vor dem Fernseher sitzen“. Das ist keine Kampfansage, sondern ein Appell an die Realität. Die WM in USA, Mexiko und Kanada wird kein Selbstläufer. Sie wird ein Spiegel sein.

Mit Jürgen Klopp, Mats Hummels und Müller selbst sitzen drei Typen im Studio, die gelernt haben, dass Fußball keine Garantieversicherung ist. Müller tippt auf Klopp als ersten, dessen „Zündschnur hochgeht“. Die Szenerie ist gesetzt: Wenn die DFB-Elf strauchelt, fliegen rhetorische Funken. Die Fans werden zuschauen – mit Hoffnung, aber ohne Illusion.