Mt melsungen schlägt doppelt zu: dujshebaev-transfer und golla-heimkehr
Die MT Melsungen hat die Schachbretter der Handball-Bundesliga neu sortiert. Mit Daniel Dujshebaev und Johannes Golla holen die Nordhessen zwei Stars, die ihren Kader für 2026/27 von der Außenseiterrolle in die Spur der Titelanwärter katapultieren.
Von der dementi-panne zum coup
Andreas Mohr musste essen. Nachdem der Manager vor anderthalb Monaten noch vehement „kein Interesse“ an Spaniens Linksaußen beteuerte, unterschrieb der 29-jährige Dujshebaev nun einen Dreijahresvertrag. Die Ironie: Der Bruder von Alex Dujshebaev, lange Zeit als heißer Transfer gehandelt, landet jetzt in Melsungen – und nicht in Kiel, Berlin oder Magdeburg. Die Logik dahinter ist simpel: MT-Trainer Michael Roth bekommt mit dem Europameister einen Linkshänder, der in der polnischen Liga 98 Tore in einer Saison erzielte und zugleich als zweiter Kreisläufer agieren kann. Das eröffnet neue Varianten im 3-2-1-System und entlastet Dainis Kristopans, der in den vergangenen Spielzeiten zu viele Minuten schleppte.
Doch der Transfer wäre nur halb so sexy ohne die Heimkehr von Johannes Golla. Der Nationalspieler verlässt Flensburg nach fünf Jahren, in denen er zweimal die Champions League gewann, aber nie die unumstrittene Nr. 1 war. In Melsungen bekommt der 29-Jährige nicht nur ein Fünfjahresvertrag bis 2031, sondern auch das Versprechen, als führende Figur die jungen Rückraumtalente Leon Stehl und Luca Sigrist zu formen. Die Ablöse liegt laut Insidern bei 400.000 Euro – ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass Golla in der EM-Quali aktuell eine Quote von 72 % aus dem Rückraum hat.

Jugend statt routine – das risiko im detail
Die MT spart nicht nur, sie verjüngt. Mit Luca Sigrist (19) und Dariel Garcia (30) ersetzt sie gleich zwei Positionen mit Kontrastprogramm. Sigrist, 1,98 m groß, gilt als „Kroatiens nächstes Genie“ – ein Spielmacher, der mit 17 Jahren schon in der Champions League debütierte. Garcia wiederum kommt von Bidasoa Irun und soll die Lücke auf Linksaußen schließen, die der nicht verlängerte Marti Soler hinterlässt. Die Frage ist: Wer übernimmt die Führung, wenn Timo Kastening mal ausfällt? Die Antwort lautet: David Mandic, der nach drei Kreuzband-Operationen wieder fit ist und in der Vorbereitung schon 14 Tore gegen SC Magdeburg erzielte.
Die Abgänge sind ebenfalls bemerkenswert. Amine Darmoul zieht es nach Stuttgart, weil er dort Garant für 30 Minuten pro Spiel ist. Bruno Eickhoff nimmt die Zweitliga-Herausforderung in Ludwigshafen an – ein Schritt, der seine Karadeutschland-Chance wahren soll. Wer bleibt, ist die Kern-Defensive um Nebojsa Simic und Kristof Palasics, die gemeinsam 42 % der Paraden der vergangenen Saison ausmachten. Die Chemie stimmt, das Budget auch: Die MT hält sich mit 6,5 Mio. Euro unter der Liga-Durchschnitt, was angesichts der Neuzugänge ein kleines Wunder ist.

Die saison 2026/27 beginnt jetzt
Die Fans in der Rothenbach-Halle werden sich umgucken. Mit Dujshebaev und Golla bekommt Melsungen erstmals seit der Meister-Saison 2007 ein Duo, das international für Schlagzeilen sorgt. Die Vorbereitung startet am 20. Juni mit einem Test gegen den französischen Topklub Paris Saint-Germain. Wer dann aufläuft, ist klar: eine Mischung aus Spanien-Flair und deutscher Routine – und vielleicht die erste MT-Truppe, die nach 19 Jahren wieder ins Final-Four einzieht. Die Liga sollte sich warm anziehen.
