Mouriño lächelt sich europäisch: celta-präsidentin schickt 900 fans nach freiburg
Marian Mouriño wirkt, als hätte sie den Glückskeks schon vor Wochen aufgebrochen. „Wir sind im Viertelfinale, obwohl das zu Beginn utopisch klang“, sagt die Präsidentin des Celta de Vigo – und lacht dabei so offen, dass selbst das Zoom-Mikro mitzittert.
Mouriño setzt auf 1:2 und einen vollen balaídos
Die 45-Jährige traut ihrem Team im Viertelfinal-Hinspiel bei SC Freiburg den klassischen Auswärtssieg zu. „Mein Tipp steht fest: 1:2. So wie in jedem Europacup-Spiel dieser Saison.“ Die Wette klingt nicht nach PR-Sprech, sondern nach Frau, die sich in Kabine und Videoanalyse ebenso gut auskennt wie in Bilanzen. Denn Mouriño führt nicht nur den Klub, sie lebt ihn. Ihr Vater, der ehemalige Club-Boss, schaute früher vom Präsidentenstuhl; heute sitzt sie dort selbst – und hat den Vorteil, die Rückkehrpartie vor heimischem Publikum zu bestreiten. „Balaíds voll, Rückspiel zu Hause. Das kann Gold wert sein“, sagt sie und wischt dabei eine imaginäre Haarsträhne aus dem Gesicht, obwohl die Kamera nur Bild liefert.
Die Celtistas haben den Verdacht, dass ihre Chefin heimlich noch auf dem Rasen mittrainiert. „Die Jungs sind elektrisch geladen, ein verschworener Haufen“, schwärmt Mouriño. Was wie Standardkost klingt, meint sie ernst. In der Runde der letzten Acht steht ein vergleichsweise bescheidenes Budget gegen deutsche Zweitliga-Größe, doch genau das reizt sie: „Wir haben nichts zu verlieren – außer vielleicht den Respekt derer, die uns unterschätzen.“

15 Jahre primera división und ein bündel rechnungen
Vor dem Europacup-Fieber stand der alltägliche Kampf ums Überleben. Die Liga-Rettung war Pflicht, bevor Europa Traum wurde. „Wir haben den Klassenerhalt so gut wie gebucht – 15 Jahre durchgehend Erstliga, das ist kein Schicksal, das ist harte Arbeit“, betont sie. Die Zahl hallt nach, weil sie in Spanien nicht selbstverständlich ist. Celta schuldete Gläubigern, modernisierte das Trainingsgelände, stemmte sich gegen die Pandemie-Folgen. Mouriño verwaltete nicht nur, sie überzeugte Investoren und hielt dabei die Seele des Klubs warm.
Am Donnerstag fliegen 900 Fans nach Baden-Württemberg. „Komplizierte Anschlüsse, teure Tickets, trotzdem sind sie dabei“, zählt sie auf und klingt dabei wie eine Anführerin, die jeden einzelnen Namen kennt. Für sie ist das keine Statistik, sondern gelebte DNA. „Wenn die 900 in Schwarzwald-Stadion losbrüllen, spüren das die Spieler – und der Gegner auch.“
Die Saison ist längst mehr als ein Fußballmärchen. Frauenfußball, Nachwuchsakademie, soziale Projekte – alles lief parallel. „Ich bin stolz, aber nicht satt“, sagt Mouriño. Das klingt wie eine Drohung an den Rest Europas. Denn wer mit dem Viertelfinale schon zufrieden wäre, kennt sie schlecht. Nächste Woche will sie in Balaídos nicht nur applaudieren, sondern mit einem Fuß im Halbfinale stehen. Und sollte es 1:2 werden, ahnt sie, wird niemand mehr über „utopische“ Träume lachen – außer vielleicht sie selbst, wieder dieses unverschämt glückliche Lachen.
