Mittelstädt raus, nazinho rein: stuttgarter linksverteidiger-poker beginnt

Maximilian Mittelstädt sitzt beim VfB Stuttgart wieder auf der Reservistenbank, der WM-Traum zerplatzt, und im Hinterzimmer kreist bereits der Name Flavio Nazinho. Die Botschaft ist so klar wie brutal: Nicht einmal der Coach, der ihn öffentlich in Schutz nimmt, kann ihm einen Platz garantieren.

Hinter den kulissen brodelt es

Sebastian Hoeneß beteuert, Mittelstädt sei „nicht hinten dran“, doch wer zwei der letzten drei Pflichtspiele zusieht, spürt den kalten Wind des Umbruchs. Ramon Hendriks, 21, schneller, zweikampfstärker, längst im Fokus von Borussia Dortmund, hat den alten Starter vom 1. FC Union Berlin in die Schatten gedrängt. Der Niederländer durfte gegen Leipzig auf Diomande aufpassen – und schaltete den Ivorer aus. Mittelstädt kam erst in der 78. Minute, ein Symbolbild statt einer Kampfansage.

Der Klub plant schon weiter. 2028 laufen beide Verträge aus, doch wer will da noch warten? Nazinho, 23, Cercle Brügge, portugischer U-Nationalspieler, Ablöse zehn Millionen plus X. Die Zahlen sind durchgesickert, die Scout-Berichte liegen offenbar schon auf dem Schreibtisch von Sportdirektor Fabian Wohlgemuth. Es ist kein Geheimnis mehr, nur noch kein offizielles Transferziel.

Nationalteam? keine spur

Nationalteam? keine spur

Während Julian Nagelsmann ohne Mittelstädt in die Nations-League-Partien gegen Ungarn und die Niederlande geht, feiert der Außenverteidiger seinen 29. Geburtstag mit Fragen statt mit Freunden. Die Enttäuschung sitzt tief, denn gerade noch war er der unumstrittene Linksverteidiger, jetzt ist er Teil des Rotationsprinzips – und das nur, wenn Hendriks mal Luft holt.

Die Europa League könnte die letzte Bühne sein, um sich zurückzumelden. Doch selbst im Rückspiel in Porto droht er wieder nur die Rolle des Jokers. Hendriks’ Leistung gegen Leipzig war ein Statement, Hoeneß liebt es, junge, hungrige Spieler zu bespaßen. Mittelstädt muss sich mit Schulterklopfen begnügen: „Er hat Energie reingebracht“, sagt der Trainer. Energie reicht aber nicht, wenn Nazinho schon mit dem Koffer in der Hand steht.

Der VfB kann sich das Luxusproblem leisten: Tabellenführer der Bundesliga, Achtelfinale in Sicht, Kasse voller Champions-League-Millionen. Doch für Mittelstädt tickt die Uhr. Drei Monate bis zur Winter-Transferperiode, dann entscheidet sich, ob er zum Abstellgleis oder zur Neuausrichtung wird. Nazinho hin oder her – der nächste Schritt muss sitzen, sonst wird er selbst zur Transfermeldung.