Mit bloßen pedalen richtung weltmeisterschaft – jakob albertis irrfahrt startet jetzt

26 Jahre, ein Rad, null Patenschaften: Jakob Alberti trat am 2. August 2024 in Karlsruhe in die Pedale, und seitdem dreht sich die Welt nur noch in eine Richtung – nach Osten. 21 Monate, 27 Länder, vier Kontinente, 25.000 Kilometer. Das ist keine Schnapsidee mehr, das ist eine Marschroute. Das Ziel: Kick-off der WM am 10. Juni 2026.

Der plan steckt im zahnkranz

Alberti rechnet mit 70 Euro am Tag. Keine Flüge, keine Schiffe, nur Asphalt, Schotter und Matsch. Die Route führt ihn durch Osteuropa, die Türkei, den Kaukasus, Zentralasien, China, Südostasien. Von Singapur geht’s per Fähre nach Australien, dann über die Anden bis nach Mexiko. „Wenn ich pünktlich ankomme, habe ich noch zwei Wochen Puffer, bevor das erste Spiel rollt“, sagt er. Puffer ist schön, aber das ist auch die Zeitspanne, in der eine Kette reißt, ein Zahnrad springt, ein Visum platzt.

Was niemand fragt: wer bezahlt die reifen?

Was niemand fragt: wer bezahlt die reifen?

Alberti finanziert sich über Crowdfunding und Patreon. 1.800 Unterstützer springen monatlich ein, im Gegenzug gibt es Stories, Live-Tracking und ein T-Shirt, das er auf der Straße selbst signiert. Die Logistik ist ein zweiter Job: jedes Visum kostet Tage, manche Grenzbeamte verstehen das Rad als „Sportgerät“ und wollen Importsteuer. In Usbekistan musste er seine Felgen streichen, weil „silbernes Aluminium aussieht wie Militärtechnik“.

Der krasse Moment bislang: ein Fahrplanwechsel im Iran. Statt des nördlichen Korridors entschied er sich für die Wüstenroute nach Pakistan – 1.300 Kilometer ohne Schatten, 48 Grad im Schatten, der es nicht gab. Dort verbrauchte er 12 Liter Wasser pro Tag und lernte, dass Salzstreifen am Lenker Sonnenbrand verhindern, nicht nur Schweiß.

Warum das jeden fußballfan angeht

Warum das jeden fußballfan angeht

Die WM 2026 wird in USA, Kanada und Mexiko ausgetragen – drei Länder, die Alberti nur per Rad erreicht. Jeder Kilometer ist ein Kommentar zur Klimadiskussion: Ein Flug Frankfurt–Mexico City verbraucht 2,8 Tonnen CO₂. Albertis Bilanz: null. „Ich will zeigen, dass Abenteuer nicht abhängig vom Kerosin sind“, sagt er. Wenn Weltfussball und Weltreisen zusammentreffen, wird plötzlich klar: die größte Leidenschaft verbindet sich mit der größten Herausforderung – der eigenen Ausdauer.

Und dann die Frage nach dem Danach: „Ich werfe das Rad nicht weg. Ich leihe es dem Deutschen Fußballmuseum in Dortmund, damit jeder die Ritzel anfassen kann, die schon drei Kontinente gesehen haben.“

Sein letzter Post auf Instagram zeigt eine Sandstraße in Myanmar, dahinter das Karussell der Weltmeisterschaft. 586 Tage, 14.040 Stunden, 842.400 Minuten – jede einzelne tickt jetzt bis zum ersten Pfiff.