Mit 19 in die azzurri: merit adigwe sprengt italien-regel
Julio Velasco hat eine eiserne Regel: Wer bei einem Topclub nur Bank drückt, fliegt aus dem Nationalkader. Gestern zerriß er das Blatt für Merit Adigwe. Die 19-jährige Opposta von Prosecco Doc Imoco Conegliano rückt in den Kader für die Testspiele gegen Frankreich – und liefert den ersten Paukenschlag der italienischen Volleyball-Saison 2025.
Ein pokalschrank, der unter seinem eigenen gewicht stöhnt
Zwei Scudetti, zwei Coppa Italia, Supercoppa, Weltklub-WM, Champions League, vier Jugend-Medaillen und vor drei Wochen in Surabaya Gold bei der U21-WM – das alles in gerade einmal zwei Profi-Saisons. „Ich muss manchmal die Tür meines Schranks zuhalten, sonst fliegt mir der Orden zu“, sagt sie und lacht laut. Die Zahlen lügen nicht: 47 Siege in 52 Pflichtspielen 2024/25, 198 Punkte in der Champions League, Angriffsquote 49 %. Und das meiste davon vom Bankplatz.
Denn in Conegliano blockiert Weltsuperstar Paola Egonu ihre Lieblingsposition. Statt zu maulen, schraubte Adigwe sich auf Trainingsleistung: Gewichtszimmer um 6.30 Uhr, Videoanalyse bis 22.15 Uhr. Coach Daniele Santarelli nannte sie „den Turbo, der unsere Starter müde macht“. Velasco nahm es wörtlich.

Velasco zieht die notbremse – und bekommt recht
Die Taktik des Altmeisters: Antropova auf Außen, Egonu diagonal, Adigwe als Erste Waffe von der Bank. „Wir brauchen Druck von hinten, wenn Egonu pausiert“, begründet Velasco den Schnitt. Gegen Frankreich (heute Biella, morgen Novara) will er sehen, ob die Nigerianisch-Italienerin auch gegen Erwachsene noch durch die Decke geht. Ihre Sprungkraft (327 cm Block, 315 cm Angriff) liegt nur drei Zentimeter unter Egonus Rekordwert.
Im U21-Finale gegen Brasilien schlug sie den Matchball mit einem Aufschlagsschuss – ein Ball, der noch in Surabaya kreist. „Ich spüre keine Angst, nur Lust“, sagt sie, „wer früh lernen muss, gegen Weltklassen zu kämpfen, wird später selbst zur Weltklasse.“
Velasco lächelt nur. „Merit“ heißt schließlich Verdienst – und den hat sich niemand geschenkt. Die nächste Trophäe steht schon bereit: die blaue Nationaltrikot. Ob sie passt? Die Bude ist groß genug.
