Milosavljevs letzter tanz: magdeburg soll seine schmach werden
Dejan Milosavljev tritt heute in der GETEC-Arena zum letzten Mal gegen Magdeburg an – und das mit offener Rechnung. „Ich war in den letzten beiden Spielen gegen Magdeburg nicht gut. Ein drittes Mal will ich mir das nicht bieten lassen“, sagt der Füchse-Keeper, der nach Saisonende nach Kielce wechselt.
Magdeburgs größte waffe ist ihre kaltblütigkeit
Die Zahlen sprechen für sich: In den letzten beiden Duellen kassierte Berlin 65 Tore, Milosavljev kam auf nur 19 Paraden. Der Serbe hat die Analyse gemacht. „Sie haben zwei Gidsel-Typen: Gisli und Magnusson. Wenn die durchbrechen, steht der Torwart allein da – und die haben den Abschluss eiskalt drauf.“ Dazu kommen die Kreisläufer, die permanent die Mitte öffnen und so die Außen freiballern lassen. „Ihre Außenspieler schießen aus neun Metern wie andere aus fünf“, sagt er und schaut dabei aus wie ein Mann, der genau weiß, was ihn erwartet.
Milosavljev trainierte diese Woche mit einer speziellen Reaktionsfolie, die die Wurfarme der Magdeburger simuliert. „Wir haben Szenarien trainiert, in denen ich in 0,4 Sekunden von 9 auf 6 Meter umstellen muss – genau das tun Magnusson und Gisli andauernd.“ Die Berliner Staffel um Mats Krickau hat zudem Videoanalysen aus dem Hinspiel (29:32) zerpflückt und dabei 23 Situationen identifiziert, in denen Milosavljev zu spät vom Kreis weg war. „Wenn ich heute zwei, drei davon nehme, haben wir schon gewonnen“, sagt er.

Atmosphäre wie in belgrad – nur lauter
Die Arena in Magdeburg gilt als lauteste der Liga, 6.800 Fans, davon 5.500 im Stehblock, sorgen für eine Geräuschdecke von 114 dB – das entspricht einer startenden Boeing. Milosavljev lacht: „Ich liebe das. In Belgrad haben wir gelernt, mit Feuer und Rauch umzugehen. Magdeburg ist sauberer, aber genauso intensiv.“ Er hat sich Ohrstöpsel mit integriertem Kom-System einbauen lassen, damit er die Anweisungen von Abwehrchef Hans Lindberg trotz Tumult versteht.
Der 30-Jährige weiß: Heute entscheidet sich, ob Berlin die Meisterschaft noch in Reichweite hält. Bei einer Nacht wäre der Rückstand auf Magdeburg fünf Spieltage vor Schluss auf neun Punkte angewachsen. „Dann können wir nur noch beten“, sagt er und meint nicht den Herrgott, sondern Sergey Hernández, den spanischen Weltmeister, der auf der Gegenseite steht. „Ich hoffe, Sergey fängt heute nicht alles – außer er fängt es für uns.“
Um 16.05 Urt geht’s los, Milosavljevs letztes Gruppen-Duell mit dem SCM. Er will es nicht als Abschied feiern, sondern als Auftakt: „Wenn wir heute gewinnen, treffen wir uns im Pokal-Endspiel und im Final Four wieder.“ Dann wäre Magdeburg nicht mehr sein Angstgegner, sondern seine Trophäe.
