Milosavljev stoppt sieben siebenmeter – magdeburg stoppt berlin

Magdeburg – 6.600 Fans, ein Hexenkessel, ein Torwart, der fünf Siebenmeter wegfaustet – und trotzdem gehen die Füchse mit leeren Händen nach Hause. Der 33:35-Schock im Topspiel der Handball-Bundesliga war schon nach acht Spieltagen vor Saisonende die Vorentscheidung um die Meisterschaft.

Milosavljevs solo reicht nicht

Dejan Milosavljev war in der ersten Hälfte ein Riese. Drei, vier, fünf Paraden – der Serbe entschärfte fast jeden Strafwurf, den Magdeburg anpfiff. Die Magie hielt 30 Minuten, dann riss der Faden. „Wir haben ihm die Bälle weggenommen“, sagte SCM-Linksauen Tim Hornke mit einem Grinsen, das alles sagt: Magdeburg fand Mittel gegen den Ausnahmekeeper.

Die Zahlen sind gnadenlos: 15:15 zur Pause, 24:24 in der 45. Minute – danach setzte sich der Tabellenführer ab. Felix Claar und Gísli Kristjánsson trafen aus dem Rückraum, Hornke verwertete den kapitalen Fehlpass von Niels Lichtlein im Angriff. Berlin wankte, Magdeburg roch Blut.

Die rote karte, die alles entschied

Die rote karte, die alles entschied

Matthias Musche hatte die Füchse beim 26:27 erstmals in Rückstand gebracht – und sah 63 Sekunden später Rot, weil er Lichtlein den Arm wegriss. Die Entscheidung von Schiedsrichter duo Hansen/Lijewski war hart, aber regelkonform. Mit einem Mann weniger kassierte Berlin binnen 180 Sekunden drei Gegentore, die Differenz war auf vier Tore angewachsen. Die Messe war gelesen.

Die Magdeburger Arena kochte. 30.000 Bewerbungen auf 800 Karten – das Verhältnis beschreibt die Lust der Fans, diesen Klub in seinem neuen Glanz zu sehen. SC-Trainer Bennet Wiegert sprach von „einer Atmosphäre, wie ich sie selten erlebt habe“. Sein Kollege Jaron Siewert gestand: „Wir haben den Takt verloren, als es laut wurde.“

Acht punkte vorsprung – acht spieltage noch

Acht punkte vorsprung – acht spieltage noch

Die Tabelle lügt nicht. Magdeburg führt mit 48:8 Punkten, Berlin folgt mit 40:16. Selbst wenn die Füchse alle Restspiele gewinnen, bräuchten sie einen Komplettkollaps des SCM. Realistisch ist das nicht. Hornke sagt es so: „Wir wollen die Meisterschaft so schnell wie möglich perfekt machen.“

Für die Liga war dieses Spiel ein Lehrstück: Magdeburg besitzt die tiefere Bank, den längeren Atem – und die Fans, die jeden Gegner verschlingen. Berlin bleibt der härteste Verfolger, doch die Krone rutscht immer weiter in Richtung Elbe. Die Saison ist noch lang, die Entscheidung aber längst gefallen.