Milchintoleranz im alter? so genießen sie weiterhin ihre milch!

Wer als Kind noch unbeschwert Flaschen Milch trank, kennt das vielleicht schon: Plötzlich bereitet der Genuss von Milchprodukten Unbehagen. Blähungen, Krämpfe, Durchfall – die Symptome sind vielfältig und können die Lebensqualität beeinträchtigen. Doch was steckt dahinter und wie kann man weiterhin Milch genießen?

Der laktosemangel: ein natürlicher prozess

Der laktosemangel: ein natürlicher prozess

Der Grund für diese Beschwerden liegt oft in einem Enzymdefizit. „Alles dreht sich um das Laktose, den Zucker in der Milch“, erklärt der Ernährungswissenschaftler Dr. Vincenzo Marzolla. „Um Laktose zu verdauen, benötigt der Körper das Enzym Laktase. Als Neugeborene haben wir ausreichend davon, da es für die Verdauung der Muttermilch unerlässlich ist. Doch nach dem Absetzen des Stillens produziert der Körper bei vielen Menschen immer weniger Laktase.“ Dieser Mechanismus, die sogenannte Hypolaktasie, betrifft rund 75 Prozent der Weltbevölkerung und ist genetisch bedingt. Nur bestimmte Bevölkerungsgruppen, vor allem aus Europa, besitzen eine genetische Variante, die die Laktaseproduktion im Erwachsenenalter aufrechterhält – die sogenannte Laktasepersistenz.

Ein Rückgang der Laktaseproduktion setzt bei den meisten Menschen bereits gegen fünf Jahre ein, die Beschwerden treten aber oft erst in der Jugend oder im Erwachsenenalter auf. Der nicht verdauute Laktose gelangt dann ins Dickdarm, wo er fermentiert und die unangenehmen Symptome auslöst. Es gibt auch eine sekundäre Form der Laktoseintoleranz, die durch Schädigungen des Darms, beispielsweise durch Zöliakie oder nach einer Gastroenteritis, verursacht wird.

Aber Vorsicht! Nicht jede Reaktion auf Milchprodukte ist automatisch eine Laktoseintoleranz. „Blähungen und Krämpfe können auch durch eine Sensibilität gegenüber Kuhmilkproteinen, insbesondere Kasein, ausgelöst werden“, so Dr. Marzolla. Ein einfacher Breath Test kann hier Klarheit schaffen.

Die gute Nachricht: Es gibt zahlreiche Alternativen für Milchgenuss. Laktosefreie Milchprodukte, pflanzliche Milchalternativen wie Mandel-, Soja- oder Hafermilch bieten eine gute Möglichkeit, weiterhin von den Nährstoffen zu profitieren, ohne die Beschwerden in Kauf nehmen zu müssen. Es ist wichtig, auf den individuellen Körper zu hören und die für sich passende Lösung zu finden.

Die Forschung arbeitet zudem an Enzympräparaten, die Laktase zuführen und so die Verdauung von Milchprodukten erleichtern können. Die Entscheidung für oder gegen Milchprodukte sollte immer individuell getroffen werden, idealerweise in Absprache mit einem Arzt oder Ernährungsberater.