Milano-sanremo: 298 km, 2100 höhenmeter – das rennen, das um 16.30 uhr explodiert
Am Samstag wird Pavia wieder zur Startkanone. Um 10 Uhr rollen 180 Sprinter, Kletterer und Taktiker über die Piazza della Vittoria – 298 Kilometer und sieben Stunden später fallen sie in Sanremos Via Roma in die Arme des Ziels. Die 117. Milano-Sanremo wartet mit demselben Rezept auf: lange Flucht, längeres Warten, brutales Finale.
Der neue alte kurs: erst schleife, dann klassik
Nach dem Start dreht das Feld sofort nach Norden, umrundet die Certosa di Pavia und kehrt über Voghera und Tortona zurück zur Traditionsroute. 149 Kilometer vor dem Ziel kommt der Turchino – 5,6 Kilometer mit durchschnittlich 2,9 %, kurze Rampen bis 7 %. Danach schlägt das Herz der Classicissima schneller: Capo Mele, Capo Cervo, Capo Berta, Cipressa und zuletzt der Poggio.
Die Cipressa, 21 Kilometer vor dem Ziel, ist 5,6 km lang bei 4 %, Spitzen bis 9 %. Wer hier noch Beine hat, darf träumen. Doch der Traum dauert nur, bis die 30 Kurven des Poggio kommen. 3,7 km, 3,7 % Durchschnitt, 136 Höhenmeter – und vier Haarnadeln, die sich um das Santuario della Madonna della Guardia winden. Oben angekommen, bleiben 5,6 km: 3,3 km Abfahrt auf rissigem Asphalt, 2,3 km Flachland, leicht steigende Zielgerade. Die letzte Rechnung: 800 Höhenmeter in den letzten 50 Kilometern, 2100 Meter gesamt. Das reicht, um Beine und Köpfe zu brechen.

Die stunde der sprinter oder der attacke?
2023 siegte Mathieu van der Poel nach einer Solofahrt vom Poggio. 2022 schlug Jasper Philipsen im Sprint zu. Beide Szenarien liegen wieder auf dem Tisch, denn Wind, Regen und Temperatur um 12 Grad versprechen ein offenes Rennen. Wer zögert, verliert. Wer früh attackiert, verliert vielleicht auch – aber mit Stil.
Die Favoritenliste liest sich wie ein Who-is-Who der 1-day-Spezialisten: van der Poel, Wout van Aert, Tadej Pogačar, Mads Pedersen, Filippo Ganna. Hinter ihnen lauern Quick-Step, UAE und Soudal mit Zügen, die sich auf einen Sprint vorbereiten. Die Frage ist nicht, wer die stärksten Beine hat, sondern wer die richtige Sekunde wählt.
Um 16.30 Uhr wird Via Roma wieder zum Theater. Die 117. Ausgabe der Milano-Sanremo endet entweder mit einem Photo-Finish oder mit einem Triumph, der schon auf dem Poggio beginnt. Für die Fans gibt es kein schöneres Drama – und für die Fahrer kein härteres Brett.
