Milano-cortina 2026 war nur der auftakt: so will die stiftung die alpen revolutionieren
Die letzte Fackel
ist aus, die Medaillen verstauben in Vitrinen – doch wer nun glaubt, Milano-Cortina 2026 sei Geschichte, unterschätzt die Macht der Nachwirkung. Im Bellunese packen schon wieder 140 Mitarbeiter der Stiftung Cortina ihre Laptop ein, denn für sie beginnt jetzt die eigentliche Arbeit: ein Jahrzehntprojekt, das die Dolomiten vom Ski-Wochenende in ein ganzjähriges Sport- und Ausbildungslabor verwandeln soll.Die rechnung nach 17 tagen olympiade: 6 medaillen, 12 talente, ein einziges dorf
Die Paralympics haben Cortina zum globalen Vorzeigemodell für barrierefreie Berge gemacht – nicht mit PR-Slogans, sondern mit 5.000 Schulkindern, die seit Februar kostenlos Seilbahn fahren und auf Sit-Skis Übungszeit kriegen. Zahlen, die Stefano Longo, Präsident der Stiftung, nicht lange beschönigt: „Wir haben 25 Millionen Euro Investitionen in Rampen, Aufzüge und intelligente Wegeführung gebunden – das ist dreimal so viel wie für den Weltcup 2021.“ Die Quote ist hart, aber ehrlich: Wer barrierefrei raufkommt, bleibt länger und gibt mehr aus. Tourismusdirektoren nennen das „Destination 365“, Longo nennt es „einfach gerecht“.
Lo sport italiano vale 25 miliardi di euro, pari all’1,4% del Pil. Die Drohung dahinter: Ohne neue Events verpufft der Effekt. Deshalb hat die Stiftung schon 2028 im Kalender: Junioren-Biathlon, Para-Ski-WM, Trail-Running-Europacup – alles Termine, die früher nach Innsbruck oder Chamonix gingen. „Wir wollen nicht nur Events, wir wollen die Ausbilder“, sagt Longo. Seine 140 Köpfe starke Crew ist bereits beim Aufbau eines dualen Studiengangs „Sport- & Eventmanagement in alpinen Räumen“ mit der Universität Padua. Absolventen bekommen Garantieverträge in den Skischulen, Bergbahnen und Eventagenturen der Region.

Von der rennstrecke zur schule: wie ein ehemaliges tor des bobtracks zum klassenzimmer wird
Der alte Bob-Track in Cortina war 1,5 Kilometer pure Energieverschwendung – acht Monate Leerstand. Nächsten Winter rollen dort Container mit STEM-Laboren für 400 Schüler pro Woche ein; dank Photovoltaik auf der Tribüne und Abwärme der Kältemaschinen. Ein Pilotprojekt, das laut Ministerium bis 2030 auf alle olympischen Bahnen Italiens expandieren soll. Kostenpunkt: 3,6 Millionen Euro, finanziert aus EU-Strukturfonds und Sponsoring von TechnoAlpin. Die Kids bauen ihre eigenen Mini-Bobs und testen Aerodynamik – das ist keine Ferienbetreuung, sondern Lehrplan.
Und die Athleten? Zwölf Bellunesen fuhren nach Mailand-Cortina, sechs kehrten mit Medaille zurück. Der jüngste ist 15, die älteste 28. Ihr Geheimnis: ein Mikro-Stipendium von 300 Euro im Monat, dafür 20 Stunden Mentoring durch ehemalige Olympioniken. „Wir haben keine Milliarden wie der DOSB“, sagt Longo, „aber wir haben Netzwerke in jedem Tal.“ Nächste Runde: 50 Plätze, davon 20 für Parasportler. Bewerbung online, Auswahl durch ehemalige Champions – das ist das neue Kredo.
Die Fackel ist aus, ja. Aber im Schatten der Tofana brennt ein langeres Feuer: ein Öko- und Bildungsbündnis, das Italiens Bergwelt auf Dauer verändern will. Milano-Cortina 2026 war nur der Startschuss – das eigentliche Rennen läuft bis 2035. Und Longo lacht verschwörerisch: „Wenn wir scheitern, können wir wenigstens sagen, wir haben es mit Stil versucht.“ Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 140 Mitarbeiter, 5.000 Kids, 50 neue Talente, 25 Millionen Euro Zugänglichkeit. Das ist kein Nachklapp, das ist ein Karpfen im Hochwasser – er schwimmt gegen den Strom und wächst dabei. Wer nächsten Winter in die Dolomiten kommt, sollte nicht nur Skistiefel einpacken, sondern auch Neugier. Die kostet nichts, verspricht aber Spuren, die länger halten als Schnee.
