Milan versinkt im sturmchaos – leao stolpert, fans pfeifen, champions league droht

Rafael Leao verlässt den Rasen, das Pfeifkonzert folgt auf dem Fuß. Drei Minuten später steht der AC Mailand mit leeren Händen da, die Champions-League-Ränze rücken in weite Ferne. Das 0:2 in Reggio Emilia gegen den abstiegsbedrohten Sassuolo ist mehr als nur ein Ausrutscher – es ist die Zusammenfassung eines offensiven Blackouts, das sich seit Wochen zieht.

Gabbia spricht aus, was alle denken

Matteo Gabbia, sonst eher der lautlose Dienstleister in der Abwehr, wird nach dem Schlusspfiff zum Sprecher einer verunsicherten Truppe. „Die Leute dürfen pfeifen, wir haben nichts zu feiern“, sagt er und schickt sich an, die Stürmer zu schützen. „Angreifer brauchen Hilfe, keine Schuldzuweisungen.“ Klingt edel, wirkt aber wie ein Notruf. Denn die Zahlen sind brutal: fünf Mal Torlosigkeit in sieben Serie-A-Partien, nur ein Treffer in den letzten fünf Spielen – und der stammt vom 1. März.

Leao, einst Galionsfigur, steht seitdem ohne eigenes Tor da. Gegen Sassuolo vergibt er die beste Chance zum Ausgleich, tritt danach wie auf Watte, wird nach 57 Minuten ausgewechselt. Die Reaktion der Curva? Buh-Rufe, dann absolute Funkstille, als Kapitän Mike Maignan seine Kollegen eigentlich zur Gästekurve führen will. Die Gruppe dreht um, die Bilder gehen viral. Gabbia erklärt: „Wir wollten hin, aber der Pfiff war deutlich. Also sind wir umgekehrt.“ Kein Knall, aber ein Riss.

Sturmflaute mit system

Sturmflaute mit system

Derzeit wirft der gesamte Angriff nur noch Schatten. Pulisic, Giménez, Nkunku – keiner findet die Lücke. Trainer Massimiliano Allegri rotiert, doch das Rad dreht sich nur im Kreis. Die Folge: Milan rutsst auf Platz fünf, zwei Punkte hinter der Champions-League-Linie. Und das Programm wird kein Geschenk: Inter wartet, dann Auswärtsspiel in Rom. Verliert die Rossoneri dort, könnte die Saison vorzeitig in die Europa League abbiegen.

Der Klub reagiert mit Schweigen auf offiziellem Kanal, auf Twitter tobt der Shitstorm. „Leao ist unrettbar“, lautet ein harmloser Kommentar unter dem Video der Pressekonferenz. Der Portugiese selbst löschte sein Instagram-Profil, bevor die Partie begann – ein klassischer Move, wenn die Druckwelle zu groß wird. Aber die eigentliche Frage lautet: Wer tritt aus dem Schatten, wenn der einstige Shootingstar erloschen ist?

Die Antwort bleibt aus. Stattdessen summt das Mapei Stadium noch lange nach Abpfiff, als wolle es die Schmach festhalten. Milan hat 72 Stunden, um das Selbstvertrauen wieder aufzupumpen – oder das eigene Publikum endgültig zu verlieren.