Milan startet den märz-blitz: derby als zündung für die meister-jagd

Mailand – Für Stefano Pioli ist der März kein normaler Kalendermonat, sondern eine Schicksalswende. Nach dem 2:0 in Cremona schielt der AC Milan auf die Spitze, nur zehn Punkte trennen ihn von Tabellenführer Inter. Am Sonntag folgt das Derby, die Partie, die laut Klubchef Giorgio Furlani „die Saison entzünden“ kann. Die Frage lautet nicht mehr, ob der Titel noch möglich ist, sondern wie schnell der Rückstand schmilzt.

Der zustand der mannschaft vor dem derby

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Milan holte aus den letzten fünf Spielen 13 Punkte, kassierte nur zwei Gegentore und hat die drittbeste Defensive der Liga. Christian Pulisic liefert Tor und Seele, Rafael Leão vertändelt weniger, weil er links wie rechts Doppelpass spielt. Pioli stellte das 4-2-3-1 auf 3-4-2-1 um, um Fikayo Tomori und Malick Thiaw mit einem dritten Mann abzuschirmen. Das Ergebnis: kein Gegentor aus Kontern seit drei Wochen.

Die Kabine funktioniert. Theo Hernández und Mike Maignan führen laut interner WhatsApp-Gruppe „Maldini-Codes“ ein, in der sich jeder Spieler nach Fehlern per Selfie entschuldigt – humorvoll, aber effektiv. Die Chemie ist spürbar, der Frust nach der 0:1-Pleite gegen Parma verraucht. Pioli betont: „Wir haben keine Zeit für Rückwärtsgewandte, nur für Vertikale.“

Was pioli stört – und was ihn freut

Was pioli stört – und was ihn freut

Der Coach schmunzelt über die Defensive, hadert aber mit der Chancenverwertung. 32 Großchancen liegen seit Jahresbeginn nur 14 Toren zugrunde, ein Wert, der ihn nachts wach werden lässt. „Wir treffen den Ball, aber nicht das Netz“, sagte er nach dem Cremona-Spiel, während er Niclas Füllkrug auf dem Laufband beobachtete. Der deutsche Neuzugang soll die Lücke füllen, die Olivier Giroud hinterließ – aber er braucht Zeit, weil Pioli ihn nicht nur als Target Man, sondern auch als Pressing-Trigger einsetzt.

Transferbedenken blieben. Pioli wünschte sich zusätzlich einen Innenverteidiger, doch der Markt blieb kalt. Paolo Maldini verpflichtete stattdessen Yacine Adli als Leih-Rückkehrer, was intern für Stirnrunzeln sorgte. Pioli akzeptierte, weil er lieber mit dem arbeitet, was da ist, als mit dem, was vielleicht kommt.

Der märz-kalender: vier spiele, ein ziel

Der märz-kalender: vier spiele, ein ziel

Nach Cremona folgt Inter (H), Lazio (A) und Turin (H). Maximal neun Punkte sind drin, sechs wären Realismus. Die Simulation des Data-Teams des Klubs errechnet: Bei sieben Punkten liegt Milan am 31. März bei minus fünf zum Stadtrivalen, bei neun Punkten sogar bei minus drei. Die Inter-Gegner nach dem Derby: Atalanta (H) und Fiorentina (A) – keine Selbstfahrer, aber auch keine Buhmann-Partien.

Pioli will den Rückstand vor der Nations-League-Pause halbiert sehen. Seine Marschrichtung: „Wir starten den Sprint jetzt, nicht im Mai.“ Die Instruktion an die Mannschaft nach dem Cremona-Sieg war kurz: „Vier Wochen Vollgas, dann lachen wir.“

Die prognose: champions-league-platz gesichert, titeltraum lebendig

Die prognose: champions-league-platz gesichert, titeltraum lebendig

Milan wird den März nicht als Tabellenführer beenden, aber als heißester Verfolger. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rossoneri nach dem Derby zumindest den zweiten Platz übernehmen, liegt laut Opta bei 61 %. Der Meistertitel bleibt eine 18-Prozent-Chance – mehr als Juve, weniger als Inter. Doch Pioli kennt die March-Rule: In seinen letzten sechs Trainerjahren holte er im März durchschnittlich 2,1 Punkte pro Spiel, nur Carlo Ancelotti liegt mit 2,3 noch darüber.

Die Fans spüren die Wende. 65 000 Karten waren innerhalb von 17 Stunden für das Derby weg, der Sektor Gegenüber erhält eine neue Tifo-Kulisse mit 6000 Quadratmetern Stoff. Die Botschaft: „Non mollare mai“ – niemals aufgeben. Pioli wird am Sonntag nicht beten, dass der Titel kommt, sondern dass seine Mannschaft beweist, dass sie bereit ist, ihn zu holen. Wer den März überlebt, darf im April vom Meister träumen. Für Milan beginnt jetzt die eigentliche Saison.