Mihambo krönt sich zur neunfachen hallenkönigin – und lehnt wm ab

Ein Sprung, ein Seufzer, ein neues Kapitel. Malaika Mihambo landet bei 6,57 m, stemmt die Hände in die Hüfte und weiß: Die Hallen-Krone sitzt wieder fest. Neunter Deutscher Meistertitel in Serie, Saisonbestleistung, 4000 Zuschauer in der Helmut-Körnig-Halle – und trotzdem klingt ihre Stimme nach Taktik statt nach Triumphpokal.

Die queen springt, aber nicht nach torun

Die 32-jährige LG-Kurpfalz-Athletin hatte den Dortmunder Samstag nicht auf der Agenda. Nach einem Infekt Mitte Januar war sie in Düsseldorf und Karlsruhe noch blass, doch der vierte Versuch riss die Zweifel weg. 6,37 m, zwei Fouls – dann der Satz, der Libby Buder (TSG Bergedorf/6,41 m) und Anna-Elisabeth Ehlers (Bayer Leverkusen/6,35 m) auf Distanz hielt. Torun? Fehlanzeige. Die Hallen-WM (20.–22. März) interessiert Mihambo nicht, sie zielt auf Birmingham – Europameisterschaft im Sommer, Open-Air, da wo Gold wirklich glänzt.

Ein letzter Auftritt bleibt: ISTAF Indoor am Freitag in Berlin. „Ich will nicht ungeduldig werden, ich will reif werden“, sagt sie, und man glaubt ihr sofort, weil ihre Sprungkurve seit zehn Jahren kaum Irrungen kennt.

Mannheimer doppelschlag: osazee und otchere

Mannheimer doppelschlag: osazee und otchere

Während Mihambo noch Interviews gibt, klopft schon der nächste Mannheimer nach. Peter Osazee, 19, erstes Jahr bei den Senioren, schraubt sich mit 15,80 m selbst um 35 cm und lässt der Konkurrenz beim Dreisprung keine Luft. Mohammed Amin Alsalami (15,78 m) und Maximilian Skarke (15,66 m) gucken in Richtung Tartan – vergeblich.

Jacqueline Otchere zittert anders. Die 29-jährige Stabhochspringerin der MTG Mannheim überquert 4,55 m erst im dritten Versuch, nachdem Anjuli Knäsche (VfB Stuttgart) mit 4,50 m gedrängt hatte. 4,60 m Saisonbeste droht zu platzen, doch Otchere bleibt cool – Meistertitel gesichert.

Stepanov fliegt, kolberg verteidigt

Stepanov fliegt, kolberg verteidigt

Auf der Bahn geht’s runder. Alexander Stepanov jagt über 800 m schon nach 100 m dem Feld davon, stoppt die Uhr bei 1:45,89 min – persönliche Bestleistung, WM-Norm geschafft, Vater als Trainer jubelt mit. In der Halle waren nur drei Deutsche je schneller; der 21-jährige Sindelfinger will in Torun zeigen, dass die Liste länger wird.

Maitje Kolberg kennt Druck. Die LG Kreis Ahrweiler läuft 4:20,47 min über 1500 m und verteidigt ihren Titel. „Letztes Jahr war ich Jägerin, dieses Mal Gejagte“, lacht sie. Adia Budde (4:21,01 min) und Vera Coutellier (4:21,87) bleiben hinter ihr. Im Sommer will Kolberg auf 800 m umstellen – EM-Finale, kein Wunsch, sondern Plan.

Robin Ganter macht’s kurz: 21,01 s über 200 m, Titelverteidigung, fertig. Der 25-jährige Mannheimer zieht seine Socken aus und grinst: „In der Halle zählt nur die Uhr, nicht das Wetter.“

Was bleibt?

Was bleibt?

Ein Nachmittag, fünf Geschichten, null Selbstzweifel. Mihambo baut ihre Dynastie aus, Stepanov seine Zukunft. Osazee und Otchere liefern den Beweis: Mannheim ist mehr als Fußball. Und Kolberg? Die trägt Druck wie anderen ein zweites Startnummern-T-Shirt. Die Hallensaison neigt sich dem Ende zu, aber der Sommer wirft schon Schatten – und die deutsche Leichtathletik hat mehr als nur eine Krone zu verteidigen.