Metz holt zaadi zurück: weltmeisterin springt für schwangere smits ein

Handball-Olympia ist rosarot: Metz Handball ersetzt seine schwangere Rechtsaußen Xenia Smits nicht mit irgendeiner Notlösung, sondern mit dem französischen Nationalstraßen-Ensemble – Grace Zaadi Deuna, 32, Weltmeisterin, Europameisterin, Olympiasiegerin und zehn Jahre lang das Gesicht des Klubs.

Die Verkündung kam am Montagabend per Social-Media-Video: Zaadi posiert vor dem blau-gelben Logo, küsst das Wappen, sagt «J'arrive à la maison». Für die Fans ist das kein Transfer, sondern eine Familienwiedersehensfeier. Sie nannten sie einst «Gracie», als sie 2010 als 17-jähriges Talent aus Tremblay en France an die Mosel wechselte. Zehn Saisons, drei Champions-League-Finalteilnahmen, 2020er-Comeback während der Covid-Pause – und nun die dritte Rückkehr. «Bei Grace handelt es sich um eine Art ewige Wiederkehr», sagt Klubpräsident Thierry Weizman. «Ihre Spielintelligenz ist ein Update, kein Ersatz.»

Warum genau sie passt – und warum es trotzdem ein risiko ist

Trainer Emmanuel Mayonnade musste bei der Suche nach einer «medical joker» zwei Kalender synchronisieren: Smits’ Entbindungstermin Herbst 2024 und der Kader-Deadline der EHF für die K.o.-Phase der Champions League. Er brauchte eine Spielerin, die sofort ligatauglich ist, die die 1-5-Offensive ohne Umstellung mitspielt – und die keine neue Wohnung braucht. Zaadi erfüllt alles: 204 Länderspiele, 412 Tore, neun EM/WM/OG-Medaillen, elf französische Meisterschaften. Auch ihre Wohnung in Metz’ Quartier Impérial steht noch. «Ich habe den Schlüssel nie abgegeben», scherzt sie.

Der Haken: Seit Januar spielt sie nur Trainingsrunden mit Ljubljana, keine Pflichtspiele. Ihre letzte Partie auf Topniveau datiert von der WM-Finalniederlage gegen Norwegen im Dezember. Mayonnade kennt die Frage nach der Matchfitness: «Grace’ Kopf ist immer auf Vordermann. Der Körper folgt innerhalb von zwei Wochen.»

Ein drei-monats-crash-kurs mit titelperspektive

Ein drei-monats-crash-kurs mit titelperspektive

Metz führt die Gruppe B der Champions League an, muss aber Anfang März ins Viertelfinale. Zaadi kann dort eingesetzt werden, weil der EHF-Regel §4.3.2 einen «pregnancy replacement» erlaubt. Das Zeitfenster: genau 90 Tage bis Smits’ erlaubte Rückkehr. «Ich habe drei Monate, um meine beste Form seit Tokio zu finden», sagt Zaadi. «Das ist meine persönliche Challenge.»

Der psychologische Effekt ist längst messbar: Binnen 24 Stunden stiegen die Instagram-Follower der Vereinsseite um 12 Prozent, die Nachfrage für Play-off-Karten verdoppelte sich. Sponsoren wie Metz Métropole und la Lorraine senden Glückwunschvideos. Die Botschaft: Wer eine Schwangere ersetzt, indem er eine Ikone zurückholt, ist kein Krisenclub, sondern ein Machtzentrum.

Der preis der leidenschaft

Der preis der leidenschaft

Vertraglich läuft die Aktion über die sogenannte «mutuelle» – eine französische Sozialversicherung, die Löhne während Schwangerschaftspausen abdeckt. Metz spart sich Smits’ Gehalt, zahlt stattdessen Zaadi ein Monatshonorar, das laut Insidern bei 25 000 Euro liegt – Budget, das eigentlich für eine Junioren-Campus-Talentschmiede reserviert war. Weizman pariert Kritik: «Ein Viertelfinale bringt 100 000 Euro Prämie. Da amortisiert sich die Joker-Investition in zwei Spielen.»

Zaadi selbst verzichtete auf eine Ausstiegsklausel in Ljubljana, wo sie nach dem WM-Triumph 2023 eigentlich bis 2025 unterschrieben hatte. «Ich habe mein ganzes Leben lang für Momente wie diese trainiert», sagt sie. «Ein Kind kommt zur Welt, ein Team will einen Titel – und ich kann beiden helfen.»

Am Donnerstag absolviert sie den Medizincheck im Centre Hospitalier de Metz, am Samstag steht ihr erstes Training auf dem Programm – mit Smits’ alter Rückennummer 17. «Ich werde sie nicht einfach übernehmen, ich werde sie während der Rückrunde nur ausleihen», sagt sie. «Im Mai gebe ich sie zurück – hoffentlich zusammen mit dem Pokal.»

Die Saison ist längst mehr als eine Spielzeit. Sie ist eine Episode über Zeit, Identität und weibliche Karrieren, die nicht pausieren, sondern weiterspielen – mit oder ohne Babybauch.