Messi in südafrika: ein verpasstes vermächtnis und die last eines fußballgottes

Es war ein Sommermärchen für viele, doch für Lionel Messi war es ein Albtraum. Die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, ein Turnier, das für Cristiano Ronaldo zur Jagd auf Rekorde wurde und für Messi zu einer existenziellen Krise. Ein Turnier, das bis heute eine dunkle Wolke über seiner Karriere wirft – trotz des späteren Triumphes in Katar.

Die bürde des maradona-namens

Messi stand im Schatten des großen Vorbilds, Diego Armando Maradona. Der legendäre „Pibe de Oro“ war nun der Bundestrainer der Nationalmannschaft, und die Erwartungen waren schwindelerregend. „In dieser Weltmeisterschaft gibt es keinen Spieler, der auch nur 30 % des Talents von Messi erreicht“, prahlte Maradona. Ein Lob, das gleichzeitig eine unerträgliche Last darstellte. Messi, gerade 22 Jahre alt und frischgebackener Ballon d’Or-Gewinner, sollte Maradonas Vermächtnis fortsetzen. Doch stattdessen fand er sich in einer taktischen Zwangslage wieder.

Maradona, besessen von der Idee, eine offensive Macht zu schaffen, stellte Messi in die Rolle des zentralen Spielmachers hinter zwei Stürmern – Tévez und Higuaín. Eine Position, die Messi in Barcelona auf dem Flügel so brillant befeuerte, aber im Nationalteam keinen Raum für seine natürliche Kreativität ließ. Es war ein taktischer Irrtum, der Messi isolierte und seine Stärken neutralisierte.

Die Qualifikation für die WM war ein Wunder. Nur durch ein spätes Tor von Palermo gegen Peru erreichte Argentinien die WM. Die Atmosphäre war angespannt, die Erwartungen enorm. Und Messi, der junge Gott, der alles erfüllen sollte, fühlte den Druck unerträglich.

Die Spiele in Südafrika verliefen enttäuschend. Gegen Nigeria war Messi kaum gefährlich, gegen Südkorea erzielte Higuaín das Tor, und gegen Griechenland, als Messi erstmals die Kapitänsband trug, blieb es ohne Erfolg. Im Viertelfinale gegen Deutschland wurde Argentinien mit 0:4 auseinandergenommen. Khedira und Schweinsteiger dominierten das Mittelfeld, und Messi war nur ein Zuschauer.

„Ich habe ihn danach unter der Dusche weinen sehen wie ein kleines Kind“, berichtete Maradona Jahre später. Ein Bild, das die tiefe Enttäuschung und die innere Zerrissenheit des jungen Messi verdeutlichte.

Der ballon d’or inmitten der krise

Der ballon d’or inmitten der krise

Und dann kam die Überraschung: Trotz der desaströsen WM-Leistung wurde Messi im Januar 2011 zum Weltfußballer des Jahres gewählt. Eine Auszeichnung, die viele als unverdient empfanden, gerade angesichts der Leistungen von Wesley Sneijder, Xavi und Iniesta. Es war ein Zeichen dafür, dass Messi zu diesem Zeitpunkt bereits eine Aura des Unantastbaren besaß, eine Aura, die ihn vor Kritik schützte – auch wenn er selbst unter dem Druck der Erwartungen zerbrach.

Der WM-Titel in Katar im Jahr 2022 löschte den Schatten des Scheiterns in Südafrika nicht vollständig aus. Es war das erste Mal seit 1978, dass Argentinien Weltmeister wurde, und Messi wurde endlich zum gefeierten Helden. Doch im Stillen wird er sich wohl immer an diesen Sommermonat in Südafrika erinnern – an die Last eines Fußballgottes und die Bürde eines verpassten Vermächtnisses. Ein Vermächtnis, das erst Jahre später, in einem anderen Turnier, vollendet wurde.