Messi humpelt richtung wm: argentiniens hoffnung steht auf messers schneide

Ein Freistoß, ein Griff an den Oberschenkel – und plötzlich wird die Luft für ganz Argentinien dünn. Lionel Messi verließ in der 75. Minute das Feld, 15 Minuten vor Schluss, als hätte jemand den Stecker gezogen. Inter Miami schweigt bislang über Art und Ausmaß der Blessur. Trainer Guillermo Hoyos beschwichtigt: „Leo war erschöpft, der Platz aufgeweicht. Wir wollten kein Risiko eingehen.“ Klingt nach Routine, riecht aber nach Alarm.

Die zahlen, die seine beine wiegen

Vor dem Abgang hatte der 38-Jährige noch zwei Treffer vorbereitet – in der torreichsten ersten Halbzeit der MLS-Geschichte. 14 Partien, zwölf Tore, acht Assists. Diese Saison ist Messi eine Maschine, die selten stottert. Doch Maschinen haben ebenfalls Verschleiß. Und der Kalender macht keine Gnade: In 18 Tagen eröffnet Argentinien in Kansas City gegen Algerien die Titelverteidigung.

Die Regenguße von Fort Lauderdale hätten kaum symbolträchtiger sein können. Während der Himmel offenbar über dem DRV-PNK-Stadium abriss, rissen die Anhänger sich an ein paar trockenen Fakten: Ohne Messi übernahm Luis Suárez das Kommando, erzielte einen Hattrick und sicherte Miami das 6:4. Der 39-jährige Uruguayer spielt seine letzte Saison, die WM wird er nur vor dem Fernseher verfolgen. Für Argentinien fehlt damit ein möglicher Ersatz-Knipser, sollte Messi ausfallen.

Scaloni schweigt – die nation rätselt

Scaloni schweigt – die nation rätselt

Trainer Lionel Scaloni hat den endgültigen 26er-Kader noch nicht veröffentlicht. Offiziell. Inoffiziell gilt Messis Nennung als Formsache. Doch Formsachen haben in der Geschichte argentinischer Fußballdramen ihren eigenen Plot. 2006 verletzte sich Juan Román Riquelme zwei Wochen vor Turnierbeginn. 2014 fiel Ángel di María im Viertelfinale aus. Die Liste ist lang, die Angst tief verwurzelt.

Miami liegt mit 31 Punkten auf Platz zwei der Eastern Conference, zwei Zähler hinter Nashville. Die Serie von vier Siegen sollte eigentlich Rückenwind sein. Stattdessen fragen sich jetzt 45 Millionen Argentinier, ob ihr Anführer noch rechtzeitig in die Cloud-Nine-Maschine steigt, die ihn nach Dallas und ins Trainingslager nach Orlando bringen soll.

Die WM-Trophäe wurde bereits gewogen, die Gruppe J scheint machbar: Algerien, Österreich, Jordanien. Doch der Gegner in Topform hieß zuletzt Philadelphia Union – und der führte zur Pause 4:2. Messis Magie war nötig, um die Klatsche zu verhindern. Seine Magie, nicht seine Erschöpfung.

Wenn sich in den nächsten 72 Stunden keine offizielle Entwarnung findet, beginnt in Argentinien ein nationaler Kreuzzug. Physiotherapeuten werden wie Messiasse gehandelt, jeder Trainingsschnitt zur Bibel. Denn ohne Nummer 10 verliert der Champion nicht nur Tore, sondern seine Seele. Und die Weltmeisterschaft ohne Messi? Das wäre wie Tango ohne Musik – technisch möglich, aber ohne Herzschlag.