Messi dreht florida-derby: 0:2-rückstand nach 90 minuten geschichte

Der Mann, der seit 22 Jahren jedes Kalenderjahr trifft, schrieb auch beim 0:2-Pausenstand keine Korrektur in sein Skript. Lionel Messi jagte Inter Miami mit zwei Toren und einem Assist in 31 Minuten zum 4:2-Sieg bei Orlando City – und verpasste damit selbst den eigenen Fans die Schuldirektive, schon nach dem Auftaktdebakel die Saison abzuschreiben.

Mascheranos team wacht in der kabine auf

Marco Pasalic und Martín Ojeda hatten Orlando noch vor der ersten Wasserpause auf Kurs gebracht, doch was in der Pause in der Gästekabine passierte, dürfte Javier Mascherano noch lange beschäftigen. Mateo Silvetti verkürzte, Messi glich aus, Telasco Segovia stocherte den Führungstreffer über die Linie – wieder nach Messi-Zutat – und der Argentinier versenkte dann selbst noch einen 30-Meter-Freistoß in den Winkel. Vier Tore binnen 41 Minuten, alles nach Vorlage oder Direktabnahme des Nummer-10-Prinzen.

Die Zahlen sprechen eine eigene Sprache: 35 Jahre alt, 831 Profi-Vorlagen, 22 Kalenderjahre mit mindestens einem Tor. Und dennoch wirkt jeder neue Treffer wie ein Protest gegen die Uhr. Die MLS hatte Miami nach dem 0:3 gegen Los Angeles FC als Titelkandidaten abgeschrieben; nach dem Abpfiff in Orlando schob sich das Team wieder in die erste Reihung der Conference, auch wenn die Tabelle erst zwei Spieltage alt ist.

Der freistoß, der die liga erschütterte

Der freistoß, der die liga erschütterte

90. Minute, 30 Meter, rechte Ecke – Messi läuft an, legt den Ball einmal um, schickt ihn mit Links über die Mauer, unter die Latte, hinter den Keeper. Pedri Gallese streckt sich vergeblich, 22 000 Orlando-Anhänger verstummen, die Miami-Bank fliegt in kollektiven Befreiungsschrei über die Bande. Es ist das erste Mal seit 2019, dass ein Spieler in der MLS aus dieser Distanz direkt trifft – und es passiert ausgerechnet dem ewigen Rivalen im eigenen Stadion.

Was folgt, ist keine Saisonprognose, sondern eine Standortbestimmung. Mit Messi, Suárez, Alba und Busquets schrumpft die Liga in deren Kopf auf acht Monate Finalspielzeit. Ohne sie wäre die MLS ein Sommerfestival. Mit ihnen wird jedes Wochenende zur Pilotfolge einer Netflix-Doku, in der der Plot lautet: Siegen oder scheitern. Orlando hat die Antwort bekommen. Der Rest der Liga wartet noch auf seine Vorstellung.